Online: 11.04.2016 - ePaper: 12.04.2016

Für die einen waren es illegale Straßenrennen, die am Sonnabend in Lüchows Industriegebiet "Dickstätte" stattgefunden haben, für die anderen war es ein harmloses Motorradtreffen - das von der Polizei aufgelöst wurde.

Wheelies und Burnouts im Lüchower Gewerbegebiet: Straßenrennen oder harmloses Motorradtreffen?

ZoomDarum soll es bei dem Treffen in Lüchow vor allem gegangen sein: Wheelies, das Fahren auf einem Rad. Die Polizei sprach von einem Illegalen Straßenrennen – was nicht stimme, betonen Teilnehmer.

rg Lüchow. Was war wirklich los am Sonnabend in Lüchows Industriegebiet "Dickstätte"? Fanden dort auf der Albrecht-Thaer-Straße wirklich illegale Straßenrennen statt, wie die Polizei behauptet? Oder war es in Wirklichkeit ein harmloses Motorradtreffen, bei dem es um geselliges Beisammensein und Zweirad-Kunststücke ging, wie jetzt Teilnehmer der Veranstaltung der EJZ berichten? Klar ist: Es gibt unterschiedliche Blickweisen auf das, was da am Sonnabend vor sich ging. Blickweisen, die am Ende gar nicht soweit auseinanderliegen. Außer in einem Punkt: der Legalität.

Polizei: Auf jeden Fall illegal

Von den Geschehnissen hatte die Polizei Lüchow am Sonntagnachmittag in ihrer Wochenend-Pressemitteilung berichtet. Ein illegales Straßenrennen habe man aufgelöst, Platzverweise gegen Teilnehmer und Zuschauer ausgesprochen. Der entsprechende EJZ-Bericht löste im Internet große Entrüstung aus: Auf der Facebook-Seite der EJZ meldeten sich gleich eine ganze Reihe von Teilnehmern der Veranstaltung, die erklärten, es habe sich nicht um ein Straßenrennen gehandelt, sondern um ein seit mehreren Jahren stattfindendes Motorradtreffen von jungen Leuten aus ganz Norddeutschland, die dort in Lüchows Gewerbegebiet zusammenkommen, um sich auszutauschen - und auf der so gut wie nicht genutzten Straße Kunststücke mit ihren Maschinen vorzuführen. Vor allem sogenannte "Wheelies" - Fahrten auf dem Hinterrad. Die Polizei habe lediglich einem Teilnehmer einen Platzverweis erteilt. Und: Bei einer Verfolgungsjagd sei ein Streifenwagen zu Bruch gegangen, der zwei Motocross-Maschinen auf einem Feldweg erfolglos nachstellte.

Das wiederum dementiert die Polizei. Ja, es habe eine Verfolgungsjagd gegeben, räumt Thomas Plate von der Lüchower Polizei ein. Doch der Streifenwagen, ein VW Passat, sei nicht zu Bruch gegangen, sondern es sei bei dem Fahrzeug der Turbolader ausgefallen, wodurch der Motor versagte und der Wagen abgeschleppt werden musste. Darauf, dass es doch Rennen gegeben habe, hätten Spuren auf der Straße hingedeutet. Zudem hätte die Besatzung eines der eingesetzten Streifenwagens ein solches Rennen beobachtet. "Da sind zwei Motorräder mit Vollgas auf den Hinterrädern über die Straße geprescht, bis in ein markiertes Ziel", so Plate. Auch das stimme so nicht, heißt es von Teilnehmern des Motorradtreffens: Es seien immer zwei Motorräder gefahren, weil von einem aus mit Helmkameras die Kunststücke des anderen Fahrers gefilmt worden seien. Und die Markierungen auf der Straße hätten mitnichten eine Rennstrecke dargestellt, sondern seien zum einen schon vorher auf der Straße gewesen - aufgebracht von Fahrschulen, die dort im Gewerbegebiet auf der fast nie befahrenen Straße ihre Fahrschüler üben ließen. Zum anderen habe es sich bei weiteren Markierungen um einen "Sicherheitsbereich" gehandelt, in dem sich die Zuschauer aufhalten sollten, damit sie nicht von einem Motorrad erfasst werden.

Nur ein Platzverweis

Selbst wenn das alles stimmt: Illegal sei das Ganze trotzdem gewesen, sagt Thomas Plate. Weil ein Großteil der Maschinen nicht angemeldet gewesen sei, also nicht im öffentlichem Straßenraum hätte gefahren werden dürfen. Und weil man nicht unangemeldet öffentliche Straßen für Veranstaltungen nutzen dürfe. "Eigentlich müsste jeder, der dort war, mit einem Bußgeld von 400 Euro rechnen, egal ob Fahrer oder Zuschauer", so Plate. Eigentlich, denn die Personalien der jungen Leute hatte die Polizei nicht aufgenommen. In der Szene überlegt man jetzt offenbar, das Ganze im kommenden Jahr offiziell laufen zu lassen. Angemeldet, abgesperrt - eben legal. Man mache ja nichts Verbotenes, sagt einer der Teilnehmer, ein junger Mann aus Lüchow. Den Stress mache nur die Polizei. Und möglicherweise hat ja die Stadt Lüchow ein offenes Ohr für das Ansinnen der jungen Leute. Denn solch eine Veranstaltung aus der - wenn auch von den Teilnehmern sicher nicht so empfundenen - Illegalität zu holen, wäre sicher für alle das Beste.

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