Online: 03.05.2016 - ePaper: 04.05.2016

Die Säfte sind im Kühlschrank, die eingeschweißten Bockwürste auch: Nils M. Rehfeldt hat sich akribisch auf die Kulturelle Landpartie vorbereitet. Hof 15 in Nemitz ist einer von zahlreichen KLP-Orten, die am Donnerstag in Lüchow-Dannenberg ihre Pforten öffnen.

Wie sich Nils Rehfeldt in Nemitz auf die Kulturelle Landpartie vorbereitet

ZoomDie Säfte sind schon im Kühlschrank, die eingeschweißten Bockwürsten kommen nun dazu: Nils M. Rehfeldt am Dienstagvormittag bei der Vorbereitung der Kulturellen Landpartie auf seinem Hof in Nemitz Nr. 15.

by Nemitz. Der Kühlschrank ist mit Voelkel-Säften gefüllt, die ersten Gläser Wendland-Bräu sind - probehalber - gezapft. Nils M. Rehfeldt packt die Bockwürstchen von Schlachter Stefan Schulz in einen großen Kühlschank. Im Kofferraum seines Kombis stapeln sich noch Milch, Mehl und Zucker, Eier, Toastbrote, Küchenrollen und Toilettenpapier und vieles mehr: Am Donnerstag startet auch auf dem Hof 15 in Nemitz die Kulturelle Landpartie. Und bis dahin ist noch einiges zu tun. Tische und Stühle nebst Stuhlkissen müssen rausgebracht werden, ebenso das Geschirr. Die KLP-Fahnen muss er noch suchen, sie sollen wieder an der Gartenpforte flattern.

Der Drechsler Alexander Bellendir gestaltet in seinem Zelt bereits seinen Arbeitsplatz, platziert auf Tischen Holzkisten für seine Werke, direkt neben dem Kaffeemobil. Heute und morgen früh kommen die anderen Aussteller, sowie Familie und Freunde und vor allem seine Frau Regina, die als Lehrerin in Hamburg arbeitet. Nils Rehfeldt, Fotograf und mittlerweile Senfproduzent, will und muss noch weiteren Senf herstellen. Auch Wolfgang und Ingalisa Krantz wollen heute kommen, um kurz für ihr Konzert am Freitag zu proben. Immer am Mittwoch gegen Mitternacht werden dann die Ölbilder und Zeichnungen seiner vor einigen Jahren verstorbenen Schwiegermutter Ruth Krantz aufgehängt, "das geht, weil viele Leute zum Gucken da sind, schnell". Die Dixitoiletten werden bis dahin auch hoffentlich angeliefert sein. Und am Donnerstagmorgen "kurz vor 11 fahre ich mit meinem Vater los, um die KLP-Schilder für den Nemitzer Punkt in Groß Breese und Trebel aufzustellen", sagt Nils Rehfeldt. "Das hat sich über Jahre eingebürgert." Der Vater wird dann auch alle KLP-Plakate an den Zaun getackert haben. Ihr Auto parken sie dann so davor, dass alle Nachfolgenden wissen, wie weit sie vorfahren dürfen, damit Platz zum Schauen bleibt. Und dann kann es los gehen.

Bei Nils und Regina Rehfeldt ist die Kulturelle Landpartie eine Familien- und Freundes-Veranstaltung, "alle freuen sich, alle machen mit" - nicht zuletzt ist Rehfeldt auch deshalb gestern Mittag vergleichsweise entspannt. Seit 1989 haben sie das Haus in Nemitz, seit 1990 sind sie bei der KLP dabei. Zunächst mit den Krantz-Gemälden, später dann auch mit von Regina Rehfeldt genähten Schals, Beuteln, Kissen sowie ihren Likörspezialitäten, Fotografien, Holzarbeiten und den 50 Senfsorten von Nils Rehfeldt. Und ganz langsam kamen auch weitere Aussteller dazu, so dass sich vor dem Vierständerhaus jetzt ein Kreis bildet. Sein Neffe ist Illustrator, dessen Freundin häkelnd und auch auf Papier gestaltend kreativ. Die einzigen "fremden" Aussteller sind längst Freunde. Rehfeldt hat den Drechsler und den Bildhauer auf Märken kennengelernt, auf denen er seinen Senf verkaufte.

Ein Leben ohne Landpartie kann er sich nicht vorstellen: "Nö", sagt er ganz eindeutig. Für ihn ist es der Höhepunkt im Jahr, viele Freunde kommen dann, die er das ganze Jahr über nicht gesehen hat. Rehfeldt freut sich auf die schöne gemeinsame Zeit. Wenn um 18 Uhr die Besucher vom Hof sind, wird kurz durchgeschnauft, dann aufgeräumt und schließlich werden Tische und Stühle für eine große Tafel zusammengestellt, bis zu 40 Leute finden Platz. "Das ist toll und dann auch eine Entschädigung für den Stress". Deshalb ist es auch wichtig, dass es mit den Ausstellern "menschlich passt", sagt er. "Du bist schließlich zwölf Tage zusammen und willst Spaß haben".

Nemitz ist ein ruhiger Punkt, ein bisschen abseits, aber nicht einsam gelegen, in den Dörfern drumherum gibt es weitere Wunderpunkte. Nils Rehfeldt hat im Laufe der Jahre festgestellt, dass die Besucher solche ruhigen Punkte mehr und mehr schätzen, dass sie sich stundenlang aufhalten können, ausgiebig den Kunsthandwerkern zusehen und mit ihnen fachsimpeln. Wenn Drechseln um 14 Uhr angesagt ist, dann sind auch immer Leute da, die Späne fliegen sehen wollen, die warten, dass es los geht. Manche holen sich zwei- und dreimal was zu essen und zu trinken, beordern Freunde per Handy her, "weil es so schön ruhig ist", wie Rehfeldt (mit-)hören konnte. Der freut sich, dass auch immer mehr Gäste in der Woche kommen. Zudem gibt es genug Parkplätze, und parkende Autos kennen die Nemitzer schon vom sonntäglichen Bäuerinnencafé.

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