Online: 05.05.2016 - ePaper: 06.05.2016

Groß Heide, Lüggau, Prisser, Krummasel, Köhlen, Blütlingen, Lüchow und Lüchow: Neun von vielen kleinen Punkten auf der Kulturellen Landpartie. Wer sie besucht, erlebt eine entspannte Landpartie mit Ausstellenden, die sich auf Gespräche mit ihren Besucherinnen und Besuchern freuen. Diese kleinen Punkte sind ganz bewusst kleinen Punkte und wollen es bleiben - auch wenn sich der eine oder die andere durchaus ein wenig mehr Publikum wünscht. Das sei der Nachteil, klein zu sein, sagen sie.

Zeit für Besucher, Zeit für die Kunst: Unterwegs zu neun Stationen der Kulturellen Landpartie zwischen Lüggau und Blütlingen

ZoomMenschen unterwegs: Figuren-Collage von Bettina Schilling in Krummasel.

by Lüchow. Groß Heide, Lüggau, Prisser, Krummasel, Köhlen, Blütlingen, Lüchow und Lüchow: Neun von vielen kleinen Punkten auf der Kulturellen Landpartie. Wer sie besucht, erlebt eine entspannte Landpartie, muss auf Landpartie-Feeling keinesfalls verzichten, wohl aber auf Musik und große Gastronomie, findet leicht einen Parkplatz und wird von Ausstellenden empfangen, die Zeit haben für Gespräche und neugierig sind auf ihre Besucher. Diese kleinen Punkte sind ganz bewusst kleinen Punkte und wollen es bleiben - auch wenn sich der eine oder die andere durchaus ein wenig mehr Publikum wünscht. Das sei der Nachteil, klein zu sein, sagen sie.

Aber Neid auf die großen Punkte? "Nein, im Gegenteil", sagt die Malerin Irmgard Bornemann. "Der Ursprung der Landpartie war es doch, dass die Künstler ihre Türen, ihre Ateliers öffnen", erinnert sie. Wer sie in Groß Heide besucht, muss die Treppe hoch, landet in einem Raum mit Bildern, die Bornemann zusammen mit zwei Maler-Kolleginnen gemeinsam gemalt hat: Eine fängt an, hinterlässt ihre malerischen Spuren, dann werden die Leinwände zu den anderen weitergereicht, die sie dann fertig malen. Das helle Atelier Bornemanns ist voller Bilder und Bücher. Auf dem Balkon trocknet eine Arbeit, bei der sie Borke vom Baum aus der Göhrde und dicke Ölfarbe miteinander verbunden hat. Seitdem es im Dorf keinen anderen Punkt mehr gibt, bietet die Künstlerin auch Kaffee, Saft, Kuchen und Schmalzbrote an.

"Wir sind von Anfang an nur zu zweit", sagt Elke Gehrke in Lüggau. Und das schon seit 20 Jahren, Mitausstellerin ist die Weberin Margot Krieger. Gehrke zeigt pflanzengefärbte Wolle und was man daraus machen kann. Sie weiß, dass es viele Besucher gibt, die viel Gewühle brauchen, aber es gebe eben auch die anderen. Die werden mehr, "seit es die Strickwelle gibt" und Selbstgestricktes, das einst als hausbacken galt, in Landlust-Zeiten wieder in ist. Die 53-jährige hat in den vergangenen 20 Jahren drei Kinder großgezogen: "Landpartie war immer, egal, ob das mündliche Abitur anstand". Gehrke freut sich, dass sie mittlerweile auch Wolle von im Wendland, nämlich in Beutow, aufgewachsenen Leineschafen verarbeitet. Die Farbe kommt von Pflanzen, die bei ihr im Garten und "überall am Wegesrand wachsen". Die ersten Besucher am Donnerstag waren schon um 10 Uhr auf dem Hof, gekommen mit dem Erixx-Zug aus Hamburg. Für sie als Ausstellerin sei es super, dass es diese Verbindung in den Landkreis gebe.

In Prisser stellte Bernd Rathje seit Jahren zusammen mit Freunden Malerei aus. Erstmals sind in diesem Jahr auch vier andere Aussteller dabei: Mit Pflanzen, upgecycelter Kleidung und Räucherwerk. Es sind "Meiselgeier"-Fans, die die Nähe zur Band genießen, in der Rathje spielt. Der sieht die Erweiterung positiv: "Es ist mal was anderes, als immer "nur" Bilder, sagt er, freut sich, dass die Wiese hinterm Hof nun so wunderschön genutzt wird.

"Ich mag es gerne, mit meinen Besuchern zu reden", sagt Bettina Schilling in Krummasel, bei keinen anderen Ausstellungen gebe es so viele interessante Kontakte zum Publikum wie bei der KLP. Sie gestaltet mit ihren Figuren von Menschen und Tiere Räume, auch Stadträume, drapiert die Figuren über- und nebeneinander, so dass sich ein Bild "wie im richtigen Leben" ergibt. Bildende Kunst braucht Konzentration - auch die der Besucher, sagt sie. An den "Kirmes-Punkten" kann sie sich diese Konzentration nur schwer vorstellen.

Diese Position bekräftigt auch Doris Gessner in Köhlen. Als Künstlerin will sie ernstgenommen werden, nicht nur Ausflugsziel sein. Die Bildhauerin hat deshalb den Kaffeegarten mit Kuchen einfach abgeschafft: "Die Leute saßen im Garten, die Ausstellung war leer." Jetzt gibt es dort nur noch ihre Skulpturen und die Bilder von Margret Schubert. Wer an der Kunst interessiert ist, kommt, genießt dann auch den schönen Garten, ein erfrischendes Getränk und Gebäck steht bereit. Die ehemalige Poststelle auf ihrem Grundstück hat Gessner übrigens zu einer Galerie auf Dauer umgebaut: Die Tränken für die Postpferde sind nach wie vor da, dazwischen steht nun die Kunst.

Auch der KLP-Punkt Blütlingen ist ein kleiner Punkt, betont Astrid Schlachter, allerdings sind dort zehn Aussteller versammelt. Die Beschreibung im Reisebegleiter preist "hochwertige und originelle Unikate" an, entsprechend sei das Publikum. Die Kreativschmiede will für das Goldschmiedehandwerk begeistern, bietet Workshops an, hat dazu auch drei weitere Goldschmiedinnen eingeladen. Astrid und Bernd Schlachter wollen dem an Schmuck interessierten Publikum Mut machen, dieses Handwerk selbst auszuprobieren. Die KLP allein zu bestreiten, wäre langweilig, sagt Astrid Schlachter, "denn dann sitzen wir im Atelier wie jeden Tag".

Die beiden Lüchower Punkte in der Bergstraße sind über die Straße hinweg mit einem Fähnchenband verbunden, um von weitem sichtbar zu sein. Mehr Besucher wären schön, als es noch mehr Punkte in Lüchow gab, "war es besser", sagt Irena Naußed. Wer kommt, kommt gezielt, ist oft auch Stammgast, eine Erfahrung, die auch die Nachbarn gegenüber, der Holzgestalter Harald Müller und die Textilgestalterin Anne Heister machen. Die Ausstellung im Naußed-Haus ist auch ein Familienprojekt, Vater Dieter Gerbeth zeigt Malerei, Tochter Nina keramische Kunstobjekte. Nina Naußed hat ihr Metier in Halle studiert. Erstmals in Lüchow mit Fotografien dabei ist die aus Gartow stammende Katharina Kreutzkamp. Hier ist spanende junge Kunst zu entdecken.

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