Online: 06.05.2016 - ePaper: 07.05.2016

Bodo Wartke spielte bei der Kulturellen Landpartie in einer Scheune

ZoomBodo Wartke war bereits zum zweiten Mal in Klein Witzeetze mit seinem Wortwitz zu Gast. Diemal hatte er Melanie Haupt als seine „Gästin“ dabei.

st Klein Witzeetze. Ein kleines Theater in einer Scheune und auf der Bühne ein echter Star? Bodo Wartke ist so einer, der anlässlich seiner Tour zum 20-jährigen Bühnenjubiläum unbedingt auch in Klein Witzeetze, bei Familie Harlan, Station machen wollte. Der angekündigte Auftritt war blitzschnell ausverkauft.

Vor zwölf Jahren stand der Klavierkabarettist erstmals auf dieser Bühne, allein mit einem Klavier, ohne Mikro, aber mit einem großen Schatz an virtuos getexteten und ebenso begleiteten Liedern im Gepäck. Heute, einige Kleinkunstpreise später, ist er mit etwas Technik unterwegs, eine Tour geht nun mal auf die Stimme. Also Klein Witzeetze, morgen Celle, dann Münster, Bonn - alles ausverkaufte Konzerte für bis zu 3000 Gäste. Es läuft bei ihm, und das mit Recht. Sprach- und Musikwitz der (vorwiegend) freundlichen Art bekommt man in dieser Qualität eher selten geboten.

Die Themen sind, sagt er, meist die Liebe oder das Wetter, denn beides kann ein Künstler nicht beeinflussen. Also Wetter: Das Lied heißt "Regen", weil ihm mal ein Open-Air-Auftritt dermaßen gründlich ins Wasser gefallen ist, dass er in der Folge gar an Selbstmord dachte. Aber er singt nun - frei nach Mao: "Niederlagen in Lieder verwandeln" - diesen todkomischen Reggae, und das Festival hat ihn immer wieder, auch als Moderator, gebucht. Oder die Liebe: "Ja Schatz", das ist tiefschwarzer Humor, Szenen einer Ehe ohne Liebe, ein heiteres Scheitern, ein gereimtes Elend beinahe Shakespearschen Ausmaßes. Natürlich nur beinahe.

Und weil das eine Jubiläumstour ist, hat er eine "Gästin" mitgebracht, Melanie Haupt. Zusammen knallen sie einen Tee-Rap-Step auf den Teppich rund ums Piano, das es nur so scheppert und besingen die Freuden einer Kaffeebestellung bei Starbucks. Dann, nach der Pause, gibt’s ein Wunschkonzert mit Publikumsbeteiligung. Einer wünscht sich "Dodekakophonie", das ist Wartkes Beitrag zur Zwölf-Ton-Musik, also die Musik, bei "der keiner merkt, wenn man sich verspielt", und er macht daraus ein swingendes Lehrstück mit Restaurantbesuch und Sprachfehlern. Angeblich verwenden manche Musiklehrer genau dieses Stück im Unterricht, sagt er, und der Gast bestätigt es, denn er ist selbst Musiklehrer.

Was kann da noch kommen? Tusch, ein Spezialgast: Melanie, Chansonette aus Frankreich (bei Berlin). Sie haucht ein Liebesliedchen, und Bodo Wartke übersetzt, dass es nur so seine Bewandtnis hat - wenn es nicht so eng wäre, würde sich das Publikum am Boden wälzen. Wer will, sagt er, kann sich von seiner Homepage personalisierte Liebeslieder als Klingelton aufs Handy laden, 800 Frauennamen hat er schon bedichtet - alle Achtung! Erwähnt sei hier "Monica", das war die Praktikantin im Weißen Haus, als alle noch dachten, einen schlimmeren Kandidaten als George W. Bush könnte es nicht geben - heute sind wir klüger.

Ja, er kann auch böse sein, aber mit einem Zwinkern. Und was er da mit dem Klavier macht, ganz leichthin und pieksauber, das traut man dem alten Kasten gar nicht zu. Auch die Techniker, die erst etwas sparsam auf Scheune, Bühne und Klimperkasten schauten, sind am Ende begeistert von Klein Witzeetze. Kleine, ganz große Kunst auf kleiner, großer Bühne. Chapeau!

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