Online: 06.05.2016 - ePaper: 07.05.2016

In Lüchow-Dannenberg fehlen Ärzte - zumindest perspektivisch gesehen. Das zu ändern will das Regional-Marketing während der Kulturellen Landpartie einen Beitrag leisten.

Regional-Marketing will bei der Kulturellen Landpartie Ärzte für Lüchow-Dannenberg begeistern

ZoomSusanne Kamien vom Wendland Regional Marketing hat eine Aktion mitangeschoben, um während der Kulturellen Landpartie (KLP) Ärzte für Lüchow-Dannenberg anzuwerben.

bp Diahren. "Wo man singt, da lass' dich ruhig nieder, böse Menschen haben keine Lieder." Dass dieser Reim in seiner Ausschließlichkeit nicht stimmt, ist kein Geheimnis. Doch nichtsdestotrotz lassen sich in Lüchow-Dannenberg während der Kulturellen Landpartie (KLP) viele Besucher bei Konzerten nieder. Doch meistens nur für ein oder zwei Stunden. Dass Ärzte sich dauerhaft im Kreisgebiet niederlassen, wollen die Arbeitsgemeinschaft Ärztliche Versorgung und das Wendland Regional-Marketing mit einer Aktion erreichen.

Noch gibt es in Lüchow-Dannenberg genug Hausärzte. Aber es droht Ungemach - oder konkreter: Unterversorgung -, denn viele der Ärzte sind nicht mehr die Jüngsten und werden innerhalb der kommenden Jahre ihren Kittel an den Nagel hängen. In einer Prognose, auf die der Lüchower Allgemeinmediziner Karlheinz Pralle verweist, steht, dass allein im Jahr 2015 neun Lüchow-Dannenberger Hausärzte das 65. Lebensjahr erreicht oder bereits überschritten haben. Innerhalb dieses und der kommenden vier Jahre werden vier weitere Hausärzte das 65. Lebensjahr erreichen und einige von ihnen nicht mehr praktizieren. Mit anderen Worten: Es ist höchste Zeit, für medizinischen Nachwuchs zu sorgen.

Wann, wenn nicht zur Kulturellen Landpartie (KLP), lassen sich Mediziner am besten anwerben und für das Kreisgebiet begeistern? Diese Frage hat sich und anderen Susanne Kamien vom Regional-Marketing gestellt und sich eine Aktion ausgedacht, die das Erreichen des Ziels befeuern soll. Unter dem Motto "Lass dich nieder - Landarzt im Wendland" hat Kamien alle hiesigen Ärzte angeschrieben und sie gebeten, den Satz "Ich bin Arzt/Apothekerin im Wendland, weil..." zu ergänzen. 190 Hausärzte, Fachärzte und Apotheker hat Kamien angeschrieben, 30 haben die Karte zurückgeschickt. "Das ist eine sehr gute Resonanz", freut sich die Marketing-Frau.

Sie und ihr Team haben die 15 kreativsten Antworten ausgesucht und auf Plakate drucken lassen, die nun in einer Ausstellung in einer Diahrener Scheune zu sehen sind. "...weil die ,Landeier' von bester Qualität sind", hat Allgemeinmedizinerin Dr. Gerda Scholz aus Schweskau geantwortet, "...weil mein Arbeitsplatz am Gartower See unbeschreiblich schön ist", findet Zahnärztin Dr. Katrin Schaal, "...weil Lachgas ohne Fracking gewonnen werden kann", hat sich Zahnarzt Heike Rehe aus Clenze als Antwort überlegt.

Kamien hofft, dass möglichst viele Mediziner, die während der KLP unterwegs sind, nach Diahren kommen und die Ausstellung sehen. "Wenn nur ein einziger Arzt sich aufgrund der Ausstellung niederlassen würde, wäre sie schon ein großer Erfolg gewesen", betont Kamien. Sie ist sich sicher, dass während der KLP viele Akademiker unterwegs sind und sich in dieser Zeit die meisten Immobilienverkäufe anbahnen.

Innerhalb einer wissenschaftlichen Arbeit hat sich eine wissenschaftliche Mitarbeiterin der Medizinischen Hochschule Hannover kürzlich mit der Situation in Lüchow-Dannenberg befasst. Zwei Ergebnisse: Mehr als sieben Prozent der Lüchow-Dannenberger brauchen mehr als eine Viertelstunde mit dem Auto zum nächstgelegenen Hausarzt und besonders in der Samtgemeinde Gartow zeichnet sich eine Verschärfung der Situation ab.

Dort sei sowohl der Anteil der Über-65-Jährigen als auch der Anteil der Über-63-Jährigen Hausärzte weitaus höher als im Land. "Diese Region kann demnach als schwer zu versorgen eingestuft werden", heißt es in der Studie. Gute Landpartie - gute Besserung.

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