Online: 09.05.2016 - ePaper: 10.05.2016

Eine Tierfarm, die Fokussierung auf Kunst und Kunsthandwerk, ein Aktmal-Ausstellung und einen Ort für Vorträge und Diskussionen - das bieten unter anderem vier von einigen neuen KLP-Punkten im östlichen Lüchow-Dannenberg.

Neue KLP-Punkte: Viereinhalb Neuerungen in Trebel, Groß Breese, Lanze, Brünkendorf

ZoomManchmal braucht die ausgestellte Kunst einen Hinweis, um als solche identifizierbar zu sein – etwa in Trebel.

bp Lüchow. Für Gitta Deutscher und ihre Familie hat sich ein Kreis geschlossen. Vor fünf Jahren sind sie aus dem Raum Celle nach Trebel gezogen, haben eine ehemalige Zimmerei mit großem Grundstück in einen Eselhof umgebaut und sind nun zum ersten Mal auch bei der Kulturellen Landpartie dabei. "Genau so sollte es sein, genau so fühlt es sich gut an", sagt Deutscher und ihre Augen strahlen. Tiere liegen der Familie sehr am Herzen und alle - Hunde, Esel, Hühner und Enten - hat die Familie aus Notsituationen heraus bei sich aufgenommen. Nun kommen die Tiere besonders bei den jungen KLP-Besuchern gut an, die Esel-Touren unternehmen oder die Tiere streicheln. "Esel sind sehr ruhige Wesen mit einer sehr beruhigenden Ausstrahlung", erklärt die Krankenschwester. Vielleicht strahlen die Tiere ihre Ruhe auch auf den ganzen Punkt aus, denn der wirkt sehr harmonisch. Im kleinen, aber liebevoll angelegten Garten lässt es sich gut entspannen, im ehemaligen Feuerwehrhaus gibt es eine kleine Ausstellung. Während im Ortskern Trubel herrscht, geht es bei den Deutschers am Dorfrand wesentlich gemächlicher zu. Apropos Bauernstuben: Die sind zwar kein neuer Punkt, aber der Punkt hat sich um ein Gebäude erweitert: die Galerie Silbergras. Dort stellen, gegenüber des Restaurants, drei Künstlerinnen aus.

Ganz neu dabei ist der ansehnliche Hof von Marion Lippe in Groß Breese. Dieser neue Punkt belebt den ursprünglichen Gedanken der KLP neu. Etwas abseits gelegen ist der Hof ganz und gar nicht überlaufen, bietet ein Zurück zur Fokussierung auf Kunst und Kunsthandwerkliches. "Für uns als Einsteiger ist es sehr angenehm, dass wir nicht so überlaufen sind, und auch die Leute kommen und genießen die Ruhe", so Lippes Eindruck. Sie selbst, vor vier Jahren aus Darmstadt zurück ins Elternhaus ihrer Mutter gezogen, zeigt als gelernte Theaterschneiderin sowohl einfache, aber schmucke Leinenbekleidung und -kissen als auch ein sehr aufwändiges Festkleid. Sechs Künstlerinnen und Künstler zeigen ihre Werke nicht in dafür umgebauten, sondern sehr ursprungsbelassenen Ställen, in denen zahlreiche Schwalben unterwegs sind und sich gerne auch mal auf der Kunst niederlassen.

Zurück zu den Wurzeln der KLP - dieses Anliegen haben offenbar mehrere der neuen Anbieter. Besonders wichtig ist es auch Tanja Zeps. Ein KLP-Neuling ist sie zwar längst nicht, aber neu in Lanze ist sie sehr wohl. Vor einem Jahr hat sie sich in das Dorf verguckt - "Lanze ist einer der schönsten Orte Lüchow-Dannenbergs" - und dort ein Haus gekauft. Eigentlich ist Zeps aber eine alte KLP-Häsin, denn sie hatte jahrelang einen Punkt in Göhr. Der wurde ihr mit der Zeit zu groß und jetzt macht sie "ganz einfach zwölf Tage Einweihungsfeier" in Lanze. Zusammen mit zwei befreundeten Malerinnen aus Lüchow-Dannenberg, die ebenfalls zum Aktmal-Kollektiv "Rosa Garage" gehören, stellt Zeps in der Tenne Aktmalerei und Gedichte aus. Einmal am Tag, um 16 Uhr, liest sie bei einer "Literarischen Teestunde" eigene Poesie vor und das war's. Mehr nicht. "Die Rückbesinnung auf die Ursprünge der KLP ist mir sehr wichtig, Verständnis für Kunst zu kommunizieren und mit den Leuten über Gorleben zu sprechen", schildert Zeps ihr Anliegen. Umso glücklicher ist sie mit der Wahl des recht abgelegenen Ortes: "Ich kann mir für jeden Besucher Zeit nehmen." Auch den Verkauf hält Zeps bewusst klein, um nicht der Kommerzialisierung Vorschub zu leisten.

"Mir waren es zu viele Räucherstäbchen und Keramik", sagt Reinhard Kahl, der nicht nur in Hamburg, sondern seit acht Jahren auch in Brünkendorf lebt und dort nun einen KLP-Punkt gegründet hat. Er wollte mehr, will reden, will die Möglichkeit bieten, dass Menschen Meinungen austauschen und zum Denken angeregt werden. Namhafte Leute hat der Erziehungswissenschaftler und Filmemacher für das Projekt gewinnen können. Die Kontakte hat er, weil er in Hamburg einmal im Monat ein Philosophisches Café organisiert. Mit der bisherigen Resonanz auf die Vorträge und Veranstaltungen in seinem Haus in Brünkendorf ist er sehr zufrieden. "Viele Leute kommen auch zum gemeinschaftlichen Kochen und Essen, das freut mich besonders", sagt Reinhard Kahl.

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