Online: 12.05.2016 - ePaper: 13.05.2016

Der 18. Band der Reihe Hannoversches Wendland rückt die Menschen der Heimatkunde in den Fokus

ZoomMitglieder des Heimatkundlichen Arbeitskreises mit dem gerade erschienenen 18. Band der Reihe Hannoversches Wendland in der Druckerei des Köhrings-Verlages in Lüchow. Von rechts: Ilka Burkhardt-Liebig, Wilhelm Meier-Peithmann, Wolfgang Jürries, Burghard Kulow, Jochen Vorreiter, Dr. Rolf Meyer und Susanne Götting-Nilius. Daneben Verlagsleiter Dr. Hanno Saade und Herstellungsleiter Jürgen Linde.

by Lüchow. Die Aktiven des Heimatkundlichen Arbeitskreises (HALD) und mehrere Kolleginnen und Kollegen im Köhring-Verlag hatten lange daran gearbeitet: In dieser Woche ist nun der Band 18 der Reihe "Hannoversches Wendland" erschienen. Erstmals vierfarbig und erstmals mit 408 Seiten auch so umfangreich wie kein Band zuvor. Allerdings ist die Auflage kleiner geworden: von 3000 Exemplaren vor knapp 40 Jahren - das erste der sogenannten Jahreshefte erschien 1969 - auf nunmehr 600. Die Zahl der an Heimatkunde und Regionalgeschichte interessierten ist hier und auch anderswo geschrumpft. Deshalb seien die 600 Exemplare im Vergleich zu anderen Landkreisen immer noch ganz ordentlich, betonte Wolfgang Jürries, der Vorsitzende des Heimatkundlichen Arbeitskreises. Der ist die Dachorganisation von zurzeit knapp zwei Dutzend historisch, naturkundlichen und museal engagierten Vereinen und Institutionen aus dem Landkreis.

Der Band 18 versammelt neue Arbeiten zur Regionalgeschichte und Heimatkunde aus den Jahren 2012 bis 2015, die zum Teil bereits auf den Tagungen des HALD gehalten und für die Veröffentlichung bearbeitet wurden. Schwerpunkt in diesem Heft ist die Personengeschichte. Viele der Aufsätze beschäftigen sich mit den Menschen, die vor allem nach 1945 maßgeblich die Heimat- und Regionalforschung im Wendland beeinflusst haben - wie Alfred Kelletat, Anneliese Krenzlin, Willi Schulz, Erich Kulke oder auch Alfred Pudelko -, die aber prägende Lebens- und Bildungserfahrungen in der Zeit vor 1945 gemacht haben. "Das war lange überfällig und führte in einigen Fällen zu bedrückenden Erkenntnissen, die in dieser Tiefe bisher nicht bekannt waren", sagte Jürries. Die Aufarbeitung der Heimatforscher-biografien sei bislang nicht abgeschlossen. Jürries geht davon aus, dass in den kommenden Jahren eine weitere Tagung dazu stattfindet, die dann auch ihren Niederschlag in einem Jahresheft finden kann und soll. Zum anderen werden in diesem Band 18 jene vorgestellt, die die jüngere Regionalforschung maßgeblich beeinflussen und immer noch beeinflussen: wie Werner Plinz, Norbert Distler, Edgar Lünz, Klaus Breest sowie Wilhelm Meier-Peithmann und Rolf Meyer. Sie alle haben mindestens ihren 75. Geburtstag schon hinter sich, sind aber nach wie vor aktiv.

Weitere Schwerpunkte dieses Bandes sind: Ländliches Bauen im Wendland und vor allem die Schmuckgiebel der Hallenhäuser und die Aktivitäten zur Erhaltung der Baukultur des Wendlands. Dazu kommen Beiträge zum Dreißigjährigen Krieg und Neues zum Mythos Eleonore Prochaska. Zur Archäologie gibt es drei Aufsätze: zwei zur Archäologie der Slawen und einer zu neuen Fundstellen im Gebiet Grabow-Weitsche, dem Raum, der durch den Fund des Bernsteinelches gewisse Berühmtheit erlangte.

Wolfgang Jürries freute sich, dass mit dem Artikel über das Frauenforum Lüchow-Dannenberg, das von 1986 bis 2000 existierte, immerhin ein zeitgeschichtlicher Beitrag vertreten ist in dem neuen Band. Denn auch wenn an der Mischung aus Geschichte, Archäologie und Landeskunde festgehalten werden soll, so sei das Themenfeld der Reihe durchaus erweiterbar und "muss auch erweitert werden, wenn die Reihe zukunftsfähig bleiben will". Und dazu gehöre eben auch die Zeitgeschichte - "immer unter der Voraussetzung, dass der Redaktion auch qualitativ gute Aufsätze eingereicht werden", betonte Jürries. Der Rezensionsteil soll die Literatur zum Wendland vorstellen und bekanntmachen, durchaus auch loben und zur Lektüre auffordern, aber auch kritisch kommentieren, Irrtümer und Fehler benennen und aufzeigen, wo eine Publikation in der wissenschaftlichen Diskussion zu verorten ist.

Jürries und Dr. Rolf Meyer aus dem Redaktionsteam dankten am Mittwoch dem Köhring-Verlag für geduldige Zusammenarbeit, sowie dem Lüneburgischen Landschaftsverband, der Ritterschaft und der Sparkasse Uelzen Lüchow-Dannenberg für finanzielle Zuwendungen. Diese und auch die verpflichtende Abnahme einer bestimmten Anzahl von Exemplaren durch die Mitgliedsvereine sorgen dafür, die Herausgabe zu finanzieren. Band 18 ist ab sofort für 16,90 Euro in der EJZ, bei den HALD-Vereinen und im Buchhandel zu haben.

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