Online: 24.05.2016 - ePaper: 25.05.2016

Die Polizeiakademie Niedersachsen hat in Lüchow ein Pilotprojekt gestartet. Alle 100 hauptverantwortlichen Polizeisprecher im Land sollen für ihre Aufgaben praxisnah geschult werden. Zu Beginn stand eine Geiselnahme auf dem Lehrplan.

Pressesprecher der Polizei üben in Lüchow reale Situationen vor laufender Kamera

ZoomDie Journalistin Anja Steinhörster stellte aus einem Pulk von Redakteuren heraus dem Polizeipressesprecher Reiner Siemers Fragen über Fragen, während die Feuerwehr Lüchow das brennende Auto löschte. Das alles war Teil einer Übung der Polizeiakademie Niedersachsen.

tl Lüchow. Wer hat den Brand gemeldet? War es ein Anschlag? Hat das etwas mit dem Bandenkrieg zu tun? Die Journalistin mit der TV-Kamera will alles von Reiner Siemers wissen. Während hinter ihm aus einem Renault die Flammen lodern, bleibt ihm nur zu sagen: "Diese Information liegt uns noch nicht vor." Der Pressesprecher der Polizeiinspektion Goslar muss ruhig bleiben. Einen anderen Journalisten, der eine Zwischenfrage reinkrächzt, bittet er in freundlichem Ton um Geduld.

Das alles war Teil einer großen Übung für Polizeipressesprecher, die die Polizeiakademie in Lüchow organisiert hatte. Ein Pilotprojekt: "Die Polizei Niedersachsen will möglichst alle rund 100 hauptverantwortlichen Pressesprecher in so real wie möglich erscheinenden Szenen aus- und fortbilden", erklärt Seminarleiter Michael Hoff am Rande der Übung auf dem Gelände der Polizei in Lüchow.

Und real war die Szene tatsächlich. Während der Renault in Flammen aufging, eilte die Feuerwehr mit Blaulicht und Martinshorn herbei. In der völlig unübersichtlichen Situation behielt Siemers die Nerven. "Ich bin total begeistert", freut sich Seminarleiter Hoff am Ende. Für Siemers war es dennoch ein stressiger Job: "Durch soziale Medien haben Journalisten oft früher vermeintliche Fakten und Infos, die uns Pressesprechern zu dem Zeitpunkt noch nicht zur Verfügung stehen."

Das galt auch für die anderen Seminarteilnehmer, die zuvor im Rathaus bei einer fiktiven Geiselnahme und am Stones-Museum einen nachgestellten Diebstahl einer wertvollen Gitarre vor laufender Kamera kommentieren mussten. Ein Video und weitere Fotos stehen online direkt am Artikel auf www.ejz.de.



^ Seitenanfang