Online: 20.11.2016 - ePaper: 21.11.2016

EJZ und Volksbank ehren Menschen Lüchow-Dannenbergs im Autohaus Belling in Dannenberg

ZoomMareike Harlfinger-Düpow freute sich über einen Scheck von 300 Euro, dessen Betrag unter anderem Torsten Petersen von Rabe Haustechnik Hitzacker zur Verfügung stellte.

bp Dannenberg. Wie inspirierend und mutmachend Menschen sind, die sich einsetzen und anderen helfen, das erlebten rund 150 Besucher am Freitagabend während der Mensch-Gala im Dannenberger Autohaus Belling. Dorthin hatten die Elbe-Jeetzel-Zeitung und die Volksbank Osterburg-Lüchow-Dannenberg eingeladen, um das überdurchschnittliche Engagement der insgesamt 14 Kandidaten der Aktion "Mensch Lüchow-Dannenbergs" zu würdigen.

Es gehe vor allem darum, Menschen, die sich stark für andere einsetzen, hervorzuheben, die in der Öffentlichkeit kaum oder nur wenig bekannt seien, betonte EJZ-Redaktionsleiter Jens Feuerriegel. In der Tat zeigte sich an dem festlichen Abend, wie viele Lüchow-Dannenberger sich oft im Verborgenen selbstlos für ihre Mitmenschen einsetzen. "Wie sähe es im Kreisgebiet nur aus, wenn es diese Menschen und ihre Arbeit nicht gäbe?", diese Frage dürfte sich so mancher Zuschauer gestellt haben.

Etwa in Anbetracht des vollen Terminkalenders von Christel Bremer aus Schnega, der Gewinnerin des Abends und von einem Preisgeld in Höhe von 1000 Euro. Die war so gerührt und überwältigt, dass sie auf der Bühne nur wenige Worte herausbrachte. "Sie ist eine, die sich kümmert und die Menschen, die Hilfe brauchen, sieht", lobte Propst Stephan Wichert-von Holten, der die Gala humorvoll und kurzweilig moderierte. 15 Monate lang hat sich Bremer für annähernd zwei Dutzend Flüchtlinge aufgerieben und wenn, was oft vorkommt, Menschen am Schnegaer Bahnhof stranden, dann öffnet sie gerne ihre Türen. Kommentar ihres Mannes Thomas: "Manche Energien kann man nicht aufhalten." Christel Bremer ist als Helfende für viele ein Vorbild. Sie selbst findet das alles ganz einfach: "Ich denke nicht viel nach, sondern mache es einfach - es kommt einfach aus mir raus." Das wussten die EJZ-Leserinnen und -Leser zu schätzen und wählten sie mit rund 400 von 1800 abgegebenen Stimmen auf den ersten Platz.

Auf dem mit 700 Euro dotierten Platz zwei landete Tierschützerin Tina Heine aus Jameln. Weil sie schwer erkrankt ist, konnte sie leider nicht teilnehmen. Die Arbeit mit Tieren gebe ihr Kraft, betonte Ingrid Bergschmidt, die den Preis für Heine entgegennahm. "Sie packt an, sie ist immer da, wenn jemand Hilfe braucht", charakterisierte Bergschmidt die Frau aus den Reihen der Tierhilfe Wendland.

Das Skater-Quartett aus Fabian Bosselmann, Pablo Rudolph, Tim Sitzer und Anton Richter sicherte sich den dritten Platz (500 Euro). Sie hatten, als auf einmal hunderte Flüchtlinge in die Lüchower Polizeiunterkunft kamen, spontan Skateboards an Flüchtlinge verschenkt und mit Kindern und Jugendlichen viele Nachmittage auf der Skateranlage verbracht. "Es ging darum, Menschen zu verbinden und Berührungsängste abzubauen", erklärte Fabian Bosselmann. Und Propst Wichert-von Holten lobte: "Grandios, dass ihr das erkannt habt!"

Die anderen acht Preisträger wurden ohne Nennung ihres Ranges bei der Stimmabgabe geehrt und erhalten jeweils 300 Euro, nämlich: Feuerwehrfrau Mareike Harlfinger-Düpow, Sterbebegleiterin Kerstin Fröhlich, THW-Mann Helmut Helmecke, Spendensammlerin Anke Henne, Charity-Partyorganisator Pablo Vollmer, Jugendbetreuer Domenik Schulz sowie Dorette Niemann und Berthold Schüßler, die gleich eine ganze Flüchtlingsfamilie bei sich Zuhause aufnahmen.

Eines hatten alle Kandidaten und ihre Geschichten gemein: Helfen erfüllt die Helfenden. Als die Menschen erzählten, was sie erlebt hatten, leuchteten ihre Augen, wurde die ganze Energie und Kraft sichtbar, die denen zueigen ist, die sich einsetzen. Die Kandidaten sagten es nicht, strahlten es aber aus: Dass erst der, der nicht nur auf sich, sondern auf andere schaut und sich für sie stark macht, echte Erfüllung findet. Und: Wer nicht zu viel nachdenkt, ist manchmal der bessere Helfer. Beim Paar Niemann/Schüßler klang das beispielsweise so: "Wir haben ein großes Haus und wir dachten uns, irgendwie bekommen wir die schon unter. Je länger sie bei uns wohnten, desto selbstverständlicher wurde es." Man habe einfach "die Familie erweitert". Der Propst fand: "Schwer beeindruckend!"

Eine zweite Gemeinsamkeit ist die Spontaneität der Helfenden. Wer zu lange zögert, steht sich gelegentlich selbst im Weg. Nicht so Anke Henne, die sich nach einer Naturkatastrophe im Ausland auf den Weg machte, um für die Notleidenden Geld zu sammeln. "Du musst was tun", sagte sie sich, nachdem sie vom Wirbelsturm und seinen Auswirkungen in der Tagesschau gesehen hatte. Ihren Plan fasste sie in wenigen Worten zusammen: "Ich hatte die Idee und habe mich bereit gemacht." Propst Wichert-von Holten hob hervor, dass genau das es sei, mit dem der Einsatz für andere oft zu tun habe: Es nicht aushalten zu können, den anderen leiden zu sehen und dabei untätig zu bleiben. Aber auch Begeisterung und Faszination braucht es, um sich für andere einzusetzen. Begeistert ist Mareike Harlfinger-Düpow beispielsweise von der Feuerwehr und diese Begeisterung gibt die 35-Jährige an viele der 300 Kinder in den 28 Floriangruppen in Lüchow-Dannenberg weiter. Eine wichtige Aufgabe, denn die Feuerwehren sind immer wieder auf den Nachwuchs angewiesen. Apropos Nachwuchs: Viele der Ehrenamtler äußerten, dass sie irgendwann Nachfolger brauchen würden und nicht immer sind die in Sicht.

Darauf, dass es besonders wichtig ist, das Ehrenamt im Kreisgebiet, machte Landrat Jürgen Schulz (parteilos) aufmerksam. Im klammen Lüchow-Dannenberg sei das Ehrenamt aber nicht nur besonders wichtig, sondern besonders präsent. Während sich landesweit 42 Prozent der Menschen ehrenamtlich betätigen würden, seien es in Lüchow-Dannenberg mehr als 45 Prozent, rechnete der Landrat vor. "Lüchow-Dannenberger tun etwas mehr", sagte Schulz lobend und betonte, dass die Gala für ihn auch insofern "nur ein Symbol" sei für "die vielen, die sich engagieren". Unglaublich sei für ihn beispielsweise, dass in Lüchow-Dannenberg "überproportional viele Feuerwehrleute" tausende von Stunden im Jahr ehrenamtlich arbeiten würden: "Das ist unglaublich." Lüchow-Dannenberg, "das nicht einmal einen funktionierenden Öffentlichen Personennahverkehr hat, lebt nur durch das Engagement der Menschen".

Musikalische Helfer gibt es übrigens auch. Zum Beispiel die Mitglieder des Sinfonieorchesters der Musikschule Lüchow-Dannenberg. Was wäre so manche Veranstaltung ohne die Streicher, Holzbläser, Blechbläser, Schlagwerker und ohne Dirigent Gerd Baumgarten? Das war auch am Abend der Gala in Dannenberg nicht nur spür-, sondern vor allem hörbar.

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