Online: 26.04.2017 - ePaper: 27.04.2017

Hoffnung auf Rückkehrer, Frauen, Kooperationen

Lüchow-Dannenberger Wirtschaft sucht händeringend nach Personal

ZoomSie arbeiten am Thema Fachkräftesicherung im Landkreis: Wirtschaftsförderer Kim-Florian Wittig (von links), Sigrun Kreuer von der Willkommensagentur Wendland-Elbe und Torsten Petersen, Vorsitzender des Unternehmerverbundes IfU.

Dannenberg. Torsten Petersen, Kim-Florian Wittig und Sigrun Kreuser gehören selbst zu der Zielgruppe, um die es am Dienstag in Dannenbergs Alter Post auf einer Veranstaltung des Initiativkreises für Unternehmergespräche (IfU) ging: Zu den Rückkehren und Zuzüglern. Der IfU-Vorsitzende Petersen, Unternehmer in Lüchow, und Wittig, der Wirtschaftsförderer im Landkreis, sind nach Studium und ersten Jobs zurück in den Landkreis gekommen. Kreuser, die einst im Rheinland als Unternehmensberaterin gearbeitet hat und aktuell die Willkommensagentur Wendland.Elbe managt, ist Zuzüglerin.

Die Gruppe der Rückkehrer und Zuzügler haben hiesige Arbeitgeber bislang eher weniger auf dem Schirm, wenn es darum geht, Personal zu gewinnen. Bisher setzen sie auf die Ausbildung eigener Nachwuchskräfte, auf die Weiterqualifizierung ihrer Mitarbeitenden sowie auf die Nutzung von Stellenbörsen im Internet.

Fachkräftesicherung war das Thema des Abends. Die Not, Mitarbeitende zu finden ist je nach Branche bisher unterschiedlich groß. Sie wird aber absehbar auch für die anderen größer, weil einerseits die Schülerzahlen rückläufig sind und weil gleichzeitig Fachkräfte in Rente gehen. Und weil, wie ein Unternehmer kritisierte, "alle in Richtung Abitur strömen, die Lehrer kennen hier nix außer Studium".

Landkreis, Wirtschaftsförderung und die Süderelbe AG haben deshalb im vergangenen Jahr 425 Unternehmen im Kreisgebiet befragt, 118 antworteten. Es ging darum, zu ermitteln, wie die Betriebe bisher mit dem Thema Personalwirtschaft umgehen, um konkrete und bedarfsgerechte Unterstützung- und Beratungsangebote zu entwickeln. Denn knapp ein Drittel der Unternehmen, die antworteten, wollen in den nächsten drei Jahren ihre Belegschaft vergrößern, keiner will abbauen. Der größte Personalbedarf wird nach Einschätzung der Befragten eindeutig im Bereich der Facharbeiter, gefolgt von Auszubildenden sowie Fach- und Hochschulabsolventen mit Ingenieurstudium gesehen. Wer jetzt schon sucht, klagt vor allem über fehlende, zu geringe oder unpassende Qualifikation der Bewerber. Es ist "fünf vor zwölf" beschrieb Petersen die Situation: "Wir bilden aus, behalten unsere Azubis, aber ich krieg nicht mal mehr Neue".

Also gilt es den Suchraum zu erweitern und die Rekrutierungsinstrumente weiterzuentwickeln, so die erste der sieben Handlungsempfehlungen, die Kim-Florian Wittig vorstellte. Bausteine dabei sind die Willkommensagentur aber auch ein regionales Bewerber-Transfer-Management, ein Fachkräftepool. Wichtig sei auch, Frauen für gewerblich-technische Berufe zu gewinnen sowie junge Fachkräfte durch die Möglichkeit eines dualen Studiums zu binden. Schließlich gelte es, die Ausbildungsleistung zu verbessern, Kooperationen von Schule und Wirtschaft zu verstärken. Ausgebaut werden sollten auch die Weiterbildungsmöglichkeiten und das betriebliche Gesundheitsmanagement, um eine älter werdende Belegschaft fit zu halten. Und schließlich sei es wichtig, erfolgreiche betriebliche Konzepte auch sichtbar zu machen, sich auszutauschen und zu vernetzten, regional und über-regional.

Bei der noch im Aufbau befindlichen Willkommensagentur - ein mit EU-Geld gefördertes Projekt für 24 Monate - haben sich bereits 20 Menschen gemeldet, die Interesse haben, in den Landkreis zu ziehen und zu arbeiten. Ein Großteil sind Rückkehrer, einige junge, aber auch mittelalte, berichtete Sigrun Kreuser. Die Agentur versteht sich als Infoagentur, die all diejenigen, die in den Landkreis (zurück-)wollen mit den notwendigen Informationen über Arbeit, Schule und Freizeit versorgt. Sie ist keine Jobvermittlung und auch keine Personalberatung. Über die Social Media-Kanäle sollen unter dem Motto "Wendländer werden" - im Sommer soll die Internetseite www.wendländer-werden.de stehen, die Adresse führt bislang noch auf die Seite der Wirtschaftsförderung - Jobs, spannende Unternehmen, erfolgreiche Rückkehrergeschichten, aber auch neue Wohnformen und was sonst noch den Landkreis ausmacht, beworben werden. Kreuser wird dabei auch von einem Marketingfachmann unterstützt, geworben werden soll nicht nur per Social Media, sondern auch auf dem Landjugendball, auf der Wendland-Wiesn und der KLP. by

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