Online: 04.05.2017 - ePaper: 04.05.2017

Ein Nachruf

Wilhelm Köpper ist tot: Als Verleger war er wie ein Familienvater

ZoomWilhelm Köpper ist tot. Er leitete den EJZ-Verlag Köhring seit 1977. Mit Mut und unternehmerischem Geschick hat er den Verlag zu einem der größten Unternehmen in der Kreisstadt ausgebaut. Aufn.: J. Feuerriegel

gel Lüchow. Er war Unternehmer und Mäzen. Arbeitgeber und Ehrenbürger der Stadt Lüchow. Ehrenoberst der Schützengilde Lüchow und Träger der Bundesverdienstmedaille. Vor allem aber verstand er sich und seine Belegschaft immer als Einheit, als ein Familienunternehmen. Der Verlag Köhring als Familie - dies zu betonen war Wilhelm Köpper immer ein besonderes Bedürfnis. Umgekehrt schätzte ihn die Belegschaft stets als verständnisvollen Arbeitgeber mit einer ausgeprägten sozialen Einstellung gegenüber seinen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen. Am 1. Mai ist Wilhelm Köpper im Alter von 93 Jahren gestorben. Er hinterlässt seine zweite Ehefrau Brigitte Porm sowie Enkel- und Urenkelkinder. Die Stadt Lüchow verliert in ihm eine der bedeutendsten Persönlichkeiten der Nachkriegsgeschichte, der Verlag einen ehemaligen Chef von altem Schrot und Korn, der den Verlag wie ein Familienvater führte.

Denn Wilhelm Köpper hatte das Handwerk noch von Pike auf gelernt: Im Alter von über 30 Jahren hatte er erneut die Schulbank gedrückt, um als Schriftsetzer ein Jünger Gutenbergs zu werden. Seit 1977 fungierte er dann als Verlagsleiter, die letzten Jahre noch als Herausgeber. Wilhelm Köpper war ein Verleger der Generation, die noch selbst mit anpackte, wenn im Arbeitsfluss Not am Mann war - beispielsweise beim Korrekturlesen von Anzeigentexten im Weihnachtsgeschäft. Und ein Verleger, der seiner Redaktion stets - vor allem in den stürmischen Gorleben-Zeiten - freie Hand ließ für eine unabhängige Berichterstattung, auch wenn es dem Anzeigengeschäft mal abträglich sein konnte. Vor allem war Wilhelm Köpper jedoch ein Geschäftsmann, der sich permanent den technischen und baulichen Herausforderungen stellte, der unternehmerischen Mut zeigte und damit die Entwicklung des Verlages Köhring GmbH & Co. KG zu einem modernen Medienunternehmen maßgeblich prägte. Sein letzter großer Coup war eine Personalie: Er legte 2014 die Geschäftsführung in die Hände von Dr. Hanno Saade. Danach hatte er sich aus dem operativen Geschäft endgültig zurückgezogen.

Ja - der Köhring-Verlag ist Köppers Lebenswerk. So kann man es durchaus sagen. Und es mag den einen oder anderen vielleicht überraschen, dass Wilhelm Köpper kein Kind Lüchows war und in jungen Jahren an eine Karriere im Verlagswesen wohl nicht einmal zu träumen wagte. Geboren 1923 in Volksdorf bei Stadthagen im Schaumburger Land, absolvierte er dort in einem Baugeschäft eine Lehre als Großhandelskaufmann und Bilanzbuchhalter - Fähigkeiten, die er später in Lüchow gut gebrauchen konnte. Doch als 19-Jähriger musste er zunächst im Zweiten Weltkrieg dienen, wurde verwundet, erlebte das Kriegsende in Lettland, geriet dort in russische Gefangenschaft. Die endete erst vier Jahre später. Eine Grenzerfahrung, die ihn zeitlebens begleiten sollte. Die Heimkehr aus der Kriegsgefangenschaft 1949 war für ihn das größte Erlebnis, erzählte er noch zu seinem 90. Geburtstag: "Acht verlorene Jahre voller Entbehrungen lagen hinter mir."

Zurück im Schaumburger Land, kreuzten sich zufällig die Wege mit einer Verleger-Enkelin aus Lüchow. Ursula (gestorben 2008), deren Opa der Verleger Ernst Köhring (1876-1963) aus Lüchow war, und Wilhelm Köpper heirateten 1952 und suchten ab 1954 im Köhringschen Zeitungsverlag in Lüchow neue berufliche Herausforderungen. Wilhelm Köpper ließ sich umschulen und bestand 1963 die Meisterprüfung als Schriftsetzer. Kaufmann, Buchhalter, Schriftsetzer - folgerichtig rückte Wilhelm Köpper 1977 als alleiniger Verlagsleiter an die Spitze des Familienunternehmens. Danach: Expansion und immer wieder Ausbau. Ständig hatte Köpper in Technik und Gebäude investiert, um das Premium-Produkt am Markt immer besser zu platzieren. Ein Höhepunkt war 1994 die Inbetriebnahme einer neuen Offset-Rotationsmaschine für den Zeitungsdruck. Die musste allerdings 2011 im Druckereigebäude am Berthold-Roggan-Ring stillgelegt werden, weil sie nicht mehr den Stand der Technik hatte. Seitdem lässt der Verlag Köhring in Uelzen drucken: die Elbe-Jeetzel-Zeitung und das Anzeigenblatt Elbe-Jeetzel-Kiebitz sowie das Wochenendblatt "DAN am Wochenende" für Nichtabonnenten. Die daraus folgenden Kündigungen für die Druckerei-Beschäftigten auszusprechen gehörten zu Wilhelm Köppers schmerzlichsten Erfahrungen als Unternehmer. Er verstand sich immer als Arbeitgeber und wollte nie Stellenabbauer sein. Ein weiterer baulicher Meilenstein war 1998 das neue Verlagsgebäude an der Ecke Bleichwiese/Wallstraße. Um dieses Projekt umzusetzen, musste sogar die Straßenführung verlegt werden.

Das Wirken Wilhelm Köppers außerhalb des Verlages erfuhr drei besondere Ehrungen. Die Stadt Lüchow würdigte seinen Einsatz zum Wohle der Allgemeinheit, indem sie ihn 2003 zum Ehrenbürger ernannte. "Er hat mit seinem Wirken als Bürger unserer Stadt Maßstäbe gesetzt und unserem Gemeinwesen Impulse und Orientierung gegeben", begründete die Stadt ihre hohe Auszeichnung. Die hatte es bereits 1997 gegeben, als der damalige Bundespräsident Roman Herzog an Köpper die Bundesverdienstmedaille verlieh. Damit fand unter anderem sein ehrenamtliches Engagement an der Spitze der Lüchow Schützengilde Anerkennung. Die hatte er viele Jahre als Oberst geführt. Die Gilde war neben Zeitungsgeschäft und Familie die dritte große Leidenschaft im Leben Wilhelm Köppers. Als Ehrenoberst hat er sich fest eingraviert in die Geschichte der Lüchower Gilde.

Im Verlag Köhring sind derzeit mehr als 50 Menschen beschäftigt. Sie dürfen sich darauf verlassen, dass sich die zukünftige Verlagspolitik stets dem Vermächtnis des ehemaligen Verlegers Ernst Köhring verpflichtet sieht, den Zeitungsverlag in enger Bindung an die nächsten Erben zu erhalten. Mit der Gründung der Köhringschen Familienstiftung hat Wilhelm Köpper die Voraussetzungen für diese Vorgabe geschaffen. Zu seinem 90. Geburtstag hatte Köpper unterstrichen: "Ich betrachte es als persönliche Erfüllung, dass die Zeitung in Zukunft weiter besteht und die Beschäftigten ihr gesichertes Einkommen haben." Ein Familienunternehmen eben - mit einer Zeitung, für dessen Unabhängigkeit und Überparteilichkeit sich stets einzusetzen lohnte und weiterhin lohnt.

Wilhelm Köpper hat auch schon mal mit der Hand auf den Tisch geschlagen, wenn es nötig war. Er war aber auch stets für einen Scherz zu haben und besaß durchaus eine sentimentale Ader. Er hatte, wie man so schön sagt, das Herz am rechten Fleck. Ein Herz, das immer auch ein Zeitungsherz war. Am Mittwoch, dem 10. Mai, wird Wilhelm Köpper um 13 Uhr auf dem Friedhof in Lüchow beigesetzt.

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