Online: 25.05.2017 - ePaper: 26.05.2017

Zum Auftakt der Kulturellen Landpartie 2017 eine Fahrt zu fünf Lieblingsorten einer EJZ-Redakteurin zwischen Bülitz und Lübelner Mühle

KLP: Lieber klein und fein

ZoomWie kommen die Abbildungen auf die Tonplatten? Antje Wiewinner (rechts) erklärt, was sie tut – und was am Ende doch Zufall ist.

Lüchow. Vier meiner "Lieblingsorte" habe ich mir ausgesucht, zu denen es zum Auftakt der Landpartie gehen soll. Bülitz 42 ist der erste. Das ist nicht der große Wunde.r.punkt, man muss weiter gehen. Fast bis wieder raus aus dem Dorf. Hannes Eckeberg wohnt dort. Der ist Keramiker und seit Anbeginn der Kulturellen Landpartie dabei. Wer zu ihm kommt, soll zu ihm wollen. Denn so sehr er sich der Landpartie verbunden fühlt, so sehr sieht er die Entwicklung in Richtung immer mehr Massenpunkte kritisch. Seine Besucher, die sich gezielt mit Kunst auseinandersetzen wollen, nehmen sich Zeit, und er nimmt sich Zeit für sie. Als Keramiker dreht er Teetassen im Bauhaus-Stil, aber er schafft auch immer wieder Arbeiten, in denen er politisch Stellung nimmt. Eckebergs Haus und Garten sind ein Ruhepunkt, als Mitausstellerinnen sind Susanne Marquarding und Uta-Helene Götz dabei. Marquarding filzt - obwohl dieses Wort ob ihrer Bilder, Objekte und Schals viel zu kurz greift - und die dabei auf die Umschlagmuster der berühmten Insel-Bücher zurückgreift. Faszinierend, wie sie Seide und Filz zusammenbringt. Die Malerin und Bühnenbildnerin Uta-Helene Götz - auch sie ist eine der Mitbegründerinnen der KLP - hat Holzschnitte auf Stoffbahnen gedruckt. Sie hängen im Glashaus im Garten, schweben. Die Künstlerin begeistert damit ihre Besucher und sich selbst.

Weiter geht es nach Kussebode, ein Lieblingsort nur, wenn es dort nicht so voll ist - aber heute braucht es für die Titelseite ein Massenfoto. Hier kann ich es sicher machen. Um 12 Uhr gibt es auf dem Parkplatz kaum noch freie Stellflächen, die Autos stehen bis an die Verbindungsstraße nach Luckau, aber noch werden die eindeutigen Parkhinweise beachtet.

Kröte ist das nächste Ziel: Hier muss ich immer wieder hin. Es ist ein Ort nur mit und für die Kunst, nicht mit Kleinkram. Und das auch schon von Anfang an. Irmhild Schwarz gelingt es Jahr für Jahr ein Thema zu finden, von dem sich auch befreundete Künstlerinnen und Künstler angesprochen fühlen. "Passagen" heißt es diesmal. Schwarz legt vor mit ihrer Auseinandersetzung mit Maria Sibylla Merian, die sich Ende des 17. Jahrhunderts auf nach Surinam machte, um die Metamorphose der Schmetterlinge zu zeichnen. Timo Vogt ist mit Fotos von Binnenflüchtlingen in Georgien dabei. Und auch andere setzten sich in ihren Beiträgen mit den Themen Flucht, Europa und der Rest der Welt, Traditionen und wie sie verschwinden, auseinander. Immer wieder auch Boote. Für Inga Rusz sind sie ein Symbol "für einen Übergang in was auch immer".

Küsten ist ein Lieblingsort mit Einschränkungen: Es ist vor allem die Erinnerung an einen früheren Punkt in Reitze. Als der vor acht Jahren schloss, zog die Gruppe der Ausstellenden komplett nach Küsten um, erhielt aber dafür nicht den Segen der KLP-Oberen. Weshalb sie seit Jahren nicht im Reisebegleiter stehen. Man kann das für kleinlich halten. Mich ziehen dorthin vor allem zwei Ausstellerinnen, bei denen ich mich im Laufe der Jahre mit einigen schönen Ketten und Schals eingedeckt habe. Der Hof in Reitze war ein eigener Kosmos, in Küsten ist mittlerweile das ganze Dorf mit dabei. Lieber wäre ich dort an ruhigeren Tagen oder kurz vor Toresschluss. Volle Punkte muss ich nicht haben.

Und dann, zum Schluss die Lübelner Mühle. Die ist ein bisschen wie Reitze früher, in sich geschlossen, hat Aussteller, die Kleines-Großes schaffen - Buchobjekte oder ganz besondere Stillleben. Dabei ist auch Antje Wiewinner, die bedrucktes Papier auf dünne Tonplatten legt, das Ganze in einer Kapsel reduzierend brennt. Am Ende ist die Abbildung vom Papier in die Tonplatte eingebrannt. Oder Han Jansen, der im vergangenen Jahr lauter bunte Blazer gemalt hat - und damit jedem Betrachter lachend das Wort "Merkel" entlockte. In diesem Jahr ist "Denk ich an Deutschland" sein Thema. Er spielt maelrisch mit Grenzen und Teilungen - wie Aldi Nord und Aldi Süd - und macht sich auch den Spaß, die Niederlande, in denen er geboren wurde, Deutschland einzuverleiben: "Das ist der Raum, in dem ich lebe".

Hätte ich noch Zeit, würde ich mich mit einem Sekt vom Winzer an einem der Tische niederlassen, bleiben und klönen. Aber ich muss in die Redaktion, den Text schreiben. Lieblingsorte sollte man vielleicht besser doch ohne Arbeitsdruck besuchen. by

^ Seitenanfang