Online: 28.05.2017 - ePaper: 29.05.2017

Willi Lieverscheidt parodiert in "Verbotene Liebe" TV-Soaps

Wildes aus der Theater-Wundertüte in Corvin

ZoomWilli Lieverscheidt in „Verbotene Liebe“.

Corvin. Normalerweise funktioniert Theater so: Es gibt ein oft stark, aber natürlich nie auskömmlich subventioniertes Haus mit mehr oder weniger viel Personal. In der Compagnia Buffo ist alles etwas anders. Das Haus ist ein Zelt und alle Arbeiten erledigt ein einziger Mann. Willi Lieverscheidt tingelt seit Jahren mit seinem Theater-Wohn-Lkw durch die Lande und macht alle Jahre wieder Station in Corvin. Angekündigt war ein anderes, ein zwei Personen Stück, aber da gab es ein paar Schwierigkeiten - egal, dann spielt Willi eben wieder alleine.

Wir sehen heute die Corvin-Premiere von "Verbotene Liebe", einer theatralischen Parodie auf die zahllosen Endlos-Soaps, mit denen auch angeblich seriöse Fernsehsender die Pausen zwischen den Werbeblöcken füllen. Der feurige Autor, Pedro Camacho, führt aus seinem Fernsehstudio in einem Altenheim durch die dramatische Liebesschmonzette zwischen den noblen Adelsleuten Ricardo und Elianita. Sie will einen Liebesbeweis, er opfert, was immer verlangt wird, doch sie können zusammen nicht kommen, weil... aber das ist am Ende ziemlich egal, denn hier ist der Umweg das Ziel.

Präsentiert wird eine wilde Mischung aus der Theater-Wundertüte: Wir wechseln zwischen Live-Hörspiel und ein paar Filmen mit und ohne Ton, mit und ohne Beteiligung des leibhaftigen Schauspielers, der plötzlich auf der Leinwand, und dann wieder auf der Bühne erscheint. Und vor der Pause gibt er, diesmal im Team mit der grandiosen, in Ehren ergrauten, Theaterhündin Pico, zu ihrer, und der Freude der Zuschauer, schon mal ein paar Zugaben. Davor und danach erleben wir einen Schiedsrichter und einen Dirigenten, eine Schiffskatastrophe, einen - warum eigentlich? - Mord, eine etwas andere Psychotherapie und diverse Puppenspieleinlagen sowie kleinere Technikprobleme - es ist eben das erste Mal, und alles wird charmant überspielt.

Die Geschichten hängen nicht immer zwingend zusammen, und auch das ist typisch Compagnia Buffo, wild und anarchisch, manchmal zum brüllen komisch und immer wieder mit verblüffenden Bildern und technischen Tricks die mit dem schönen Wort "multimedia" nur sehr unzureichend beschrieben sind. Da ist einer am Werk, der deftiges Volkstheater im Stile der alten Wanderbühnen liebt, es gelegentlich mit Shakespeare würzt und das alles jederzeit auf jedem Marktplatz präsentieren kann. Das Stück selbst ist ein ziemlich wilder Klamauk, durchaus mit ein paar Längen. Aber wie soll man auch diese Fernseh-Massenware, diese unglaubwürdigen, endlos ge- und verdrehten Geschichten mit oft erbärmlich chargierenden "Schauspielern" parodieren? Aber das Theater, dieses für manche schon fast antike Medium, zeigt hier, was es oder besser was ein positiv verrückter Schauspieler kann. Fans von Willi Lieverscheidt werden sowieso kommen. Allen anderen Theaterinteressierten sei der Abend als ein spaßiges Lehrstück empfohlen. st

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