Online: 28.05.2017 - ePaper: 29.05.2017

KLP 2017: Rund 1000 Menschen feierten am Freitag beim 7. Minimal Sommernachtstraum bei Starrel zu elektronischer Musik

Musik am mystischen Ort

ZoomIn einen bunten, pulsierenden Mikrokosmos verwandelte der 7. Minimal Sommernachtstraum die Lichtung um die Blockhütte in der Clenzer Schweiz.

Starrel. Bis hoch in die Baumkronen werfen die Lichter Muster und Farben. So sieht es ein bisschen wie im Märchenwald aus, wenn die Lichtung um die Blockhütte in der Clenzer Schweiz zur Kulisse für den 7. Minimal Sommernachtstraum wird. Die elektronische Musik wird von einer großen Videoleinwand in pulsierende Formen übersetzt, von überall bahnen sich die Farben ihren Weg. Schwer zu sagen, ob nun die Lichter zur Musik leuchten oder die Klänge für die Farben da sind. Nicht ohne Grund, denn Veranstalter Pablo Vollmer und rund 70 freiwillige Helfer stellen beim Minimal Sommernachtstraum das Wechselspiel von Musik und Licht in den Vordergrund.

"Viele Leute kommen deshalb, weil sie wissen, dass wir viel Wert auf Licht legen. Wir arbeiten mit Projektionen und versuchen dadurch, den Wald hier zu einem mystischen Ort zu machen", sagt Vollmer, der 28 Jahre alt ist und in Berlin studiert. Vor einem Jahr hat er das Künstlerkollektiv RSNZRFLXN, ausgeschrieben Resonanzreflexion, gegründet. Das Netzwerk aus Lichtkünstlern und DJs bildet das Team hinter dem Sommernachtstraum. "Resonanz steht hier für das in Schwingung geraten, also die Musik. Und die Reflexion ist das Licht, das auf die Musik reagiert". So zum Beispiel Daniel Menke von den Hamburger Lichtkünstlern Vimak, der auf der Videoleinwand die Frequenzbereiche der Musik einfängt, um die Schwingungen zwischen Minimal und Techno für die Augen sichtbar zu machen.

Das Publikum weiß das zu schätzen. Bis weit nach Sonnenaufgang tanzen noch mehrere hundert junge Menschen im Freien oder im Zelt zu wechselnden DJs. Einige der insgesamt mehr als 1000 Gäste sind für den Sommernachtstraum extra nach Lüchow-Dannenberg gekommen, darunter viele Hamburger und Berliner. "Ein Teil von diesen Leuten kommt, weil sie die Künstler kennen oder einen Bezug zum Wendland haben. Manchmal wundert und freut man sich aber auch darüber, wie Leute plötzlich den Weg zu uns gefunden haben. Im letzten Jahr hatten wir sogar einen Gast aus der Schweiz", freut sich Vollmer.

Dass die stetig wachsende Elektroparty so viele Menschen in die Region zieht, sieht Vollmer als Bereicherung für die Kulturelle Landpartie. Was vor sieben Jahren mit rund 200 Gästen auf dem Bülitzer Hof seiner Mutter begann, hat sich für viele junge Menschen zu einem Highlight im KLP-Kalender entwickelt. "Das war damals unser Ziel, als Jugendlicher fand man viele Programmpunkte der KLP etwas altbacken. Wir wollten etwas Neues machen und Frische reinbringen", sagt Vollmer.

Der einzige Antrieb war das allerdings nicht. Mit den eingenommenen Erlösen sollte auch etwas Sinnvolles vorangetrieben werden. Seit Beginn der Veranstaltung vor sieben Jahren konnten insgesamt 19000 Euro an soziale Projekte in Lüchow-Dannenberg gespendet werden, hauptsächlich dem Lüchower Frauenhaus. "Wenn es gut läuft, machen wir in diesem Jahr in der Gesamtrechnung seit 2011 die 25000 Euro voll", freut sich Vollmer, denn: "Durch die gewachsenen Flüchtlingszahlen sind auch die Aufgaben für das Frauenhaus in Lüchow größer geworden, das auch immer für die Kinder da ist."

Insgesamt zwei Monate hat Vollmer daran gearbeitet, dass in dieser Nacht wieder alles glattgeht. Dass die Lüchow-Dannenberger Ämter trotz der vielen Auflagen zwischen Lärm- und Umweltschutz so pragmatisch und unbürokratisch agierten, habe die Organisation sehr erleichtert. Außerdem wären die Arbeiten auf dem Gelände ohne den großen freiwilligen Einsatz nicht zu schaffen gewesen. "Für uns ist der Traum an dem Sommernachtstraum eigentlich, gemeinsam an dem Projekt zu arbeiten. Es ist mit sehr viel Liebe gemacht, vieles ist auch improvisiert, weil wir nicht professionell sind." Am Ende, als die Sonne längst wieder scheint, schaut man bei Organisatoren und Gästen in glückliche Gesichter. Friedlich, laut und bunt: Passender kann man in die Kulturelle Landpartie kaum starten. jz

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