Online: 11.07.2017 - ePaper: 12.07.2017

Warum es in Lüchow-Dannenbergrelativ viele offene Stellen gibt

Fachkräfte - verzweifelt gesucht

ZoomFachkräfte sind in Lüchow-Dannenberg heiß begehrt und verzweifelt gesucht, unter anderem im Bereich Mechatronik und Fahrzeugelektronik. Es gibt seit Monaten relativ viele offene Stellen - hauptsächlich für Fachkräfte.

Von Jens Feuerriegel

Lüchow. Die Arbeitslosigkeit in Lüchow-Dannenberg bewegt sich seit Monaten auf Niedrig-rekord-Niveau. Etwa 1800 Menschen sind derzeit offiziell beschäftigungslos gemeldet. Vor zehn Jahren waren es noch doppelt so viele. Und doch: Auch die aktuelle Arbeitslosenzahl könnte noch deutlich kleiner sein. Wenn es denn genügend Fachkräfte in DAN gäbe. Doch auf diesem Gebiet ist die Region zwischen Elbe und Drawehn offenbar eine ziemliche Wüste.

Es gibt jedenfalls in einigen Branchen einen regelrechten Fachkräfte-Engpass: Elektroniker, Mechatroniker, Schweißer, Köche, Restaurantfachleute oder Altenpfleger, wie die Arbeitsagentur Lüneburg-Uelzen aufzählt. Agentur-Chef Bernd Passier weiß: Gelernte Fachkräfte in bestimmten Bereichen hätten gute Perspektiven in Lüchow-Dannenberg. Doch "was für den einzelnen Arbeitssuchenden von Vorteil sein kann, stellt sich für viele Unternehmen als Wettbewerb um ein allzu knappes Gut dar." Fachkräfte - verzweifelt gesucht.

Augenfällig wird das Problem jeden Monat von Neuem bei einer Detailzahl in den Arbeitslosenbilanzen: den offenen Stellen. Denn obwohl die Zahl der Beschäftigungslosen auf Rekordniveau gesunken ist, hat sich die Zahl der offenen Stellen immer weiter erhöht: auf durchschnittlich 238 zwischen Juli 2016 und Juni 2017. Vor vier Jahren lag die Vergleichszahl bei 138. Minijobs sind dabei übrigens nicht berücksichtigt.

Es geht also tatsächlich um recht ordentlich bezahlte Jobs. Auf die 238 offenen Stellen entfielen 201 Angebote auf Fachkräftegesuche, also ab Gesellenabschluss aufwärts. Dort liegt der Hase im Pfeffer: Denn nur die Hälfte aller Beschäftigungslosen in DAN verfügte über einen dieser entsprechenden Abschlüsse, nämlich 864 Personen. Die meisten unbesetzten Stellen gab es in diesen Bereichen: Erziehung, soziale, hauswirtschaftliche Berufe (22), medizinische Berufe (21), Mechatronik-, Energie- und Elektroberufe (16), Maschinen- und Fahrzeugelektronikberufe (15), Führer von Fahrzeug- und Transportgeräten (13), Lebensmittelherstellung und -verarbeitung (12), Verkaufsberufe (12), nichtmedizinische Gesundheitsberufe, Körperpflege, Medizintechnik (12) und Metallerzeugung, -bearbeitung, Metallbau (10).

Was empfiehlt die Arbeitsagentur, um Angebot und Nachfrage auf dem hiesigen Markt stärker anzugleichen? Neben den Maßnahmen, die langfristig wirken, wie beispielsweise Ausbildung von Nachwuchs und Qualifizierung der eigenen Beschäftigten, könnten im Einzelfall auch kurzfristige Lösungen greifen, teilt Bernd Passier mit. So könnten Arbeitsagentur und Jobcenter mit Eingliederungszuschüssen unterstützen, wenn Hemmnisse, wie beispielsweise eine mangelnde Qualifikation, einer Einstellung auf dem ersten Blick entgegenstehen.

Zudem hat der Agentur-Chef eine weitere Personengruppe im Blick: Menschen mit Behinderungen. Er appelliert an die Unternehmen, das Potenzial dieser überwiegend gut ausgebildeten Arbeitssuchenden zur eigenen Fachkräftesicherung zu nutzen: "Rückmeldungen aus Betrieben zeigen, dass Mitarbeiter mit Behinderungen loyal und motiviert sind". Die Arbeitsagentur setzt auf speziell geschulte Beratungsfachkräfte, die auch gezielt Unternehmen beraten. Betriebe können dabei nicht nur Lohnkostenzuschüsse bei einer Einstellung erhalten, sondern auch finanzielle Unterstützung, wenn Anpassungen am Arbeitsplatz notwendig werden.

Unternehmen, die sich darüber, über Zuschüsse bei der Qualifizierung ihrer Beschäftigten über das sogenannte WeGebAU-Programm oder eine betriebliche Umschulung informieren möchten, können sich an den Arbeitgeber-Service wenden: unter der Telefonnummer (0800) 4555520.

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