Online: 13.07.2017 - ePaper: 14.07.2017

Viele Jungstörche in Lüchow-Dannenberg sterben aufgrund der anhaltenden Nässe

Und dann kam der Regen

ZoomDieser Jungstorch (rechts), den EJZ-Leserin Brigitte Netzel aus Gartow fotografiert hat, hat es wohl geschafft. Viele andere im Kreisgebiet sind wegen der andauernden Nässe verstorben.

Von Florian Beye

Lüchow. Starker Regen, wenig sommerliche Temperaturen, zum Teil heftige Unwetter. So präsentiert sich der Sommer seit ein paar Wochen in Lüchow-Dannenberg. Innerhalb weniger Stunden ist zum Teil so viel Wasser vom Himmel gekommen wie sonst in ganzen Monaten. Das Wetter hat bei so manchem Lüchow-Dannenberger einigen Schaden hinterlassen. Und auch an der Tierwelt geht die Witterung nicht ohne Folgen vorüber: Mehr als 30 Jungstörche sind wegen des vielen Regens im Kreisgebiet verstorben, berichtet Adele Borschel, die sich seit vielen Jahren um die Lüchow-Dannenberger Störche kümmert.

"Am schlimmsten war es rund um Lüchow", erzählt Borschel. 13 junge Vögel seien dort verstorben, unter anderem direkt in der Kreisstadt und in Kolborn. Sie habe einen so großen Verlust durch andauernden Regen in den vielen Jahren ihrer Tätigkeit noch nicht erlebt, sagt Borschel: "Aber wann hat es auch schon mal so viel geregnet im Sommer?" Warum die Jungstörche mit den großen Wassermengen nicht umgehen können und daran verenden, das kann Adele Borschel genau erklären: Bis die Jungen etwa vier bis fünf Wochen alt sind, setzen sich die erwachsenen Störche auf sie, um sie zu schützen. Nach diesen rund fünf Wochen haben die Jungstörche etwa die Größe eines Huhns erreicht, erklärt Borschel: "Sie haben dann aber noch keine Federn, sondern erst Daunen." Während das Wasser an Federn herunterläuft, saugen sich Daunen voll, sodass "die Tiere dann klitschnass sind, auskühlen und letztlich sterben".

Die Zahl der verstorbenen Jungstörche in diesem Jahr liegt insgesamt bei 67, berichtet Borschel. 96 haben überlebt, darunter diejenigen, die unter vier Wochen alt sind. Im Schnitt verenden pro Jahr 30 junge Adebare aus verschiedenen Gründen. Einige Störche hätten vor allem in diesem Jahr Probleme mit der Ernährung der Jungvögel, sagt die Storchenbetreuerin: "Es gibt kaum Mäuse, kaum Grashüpfer." Deshalb seien die Tiere auf Regenwürmer angewiesen, "die Ernährungssituation ist sehr schlecht". Für die kommende Jahre habe der diesjährige Verlust aber keine Auswirkungen auf die Storchenpopulation im Kreisgebiet: "Fast keiner der hier geborenen Jungvögel kehrt irgendwann zurück", erzählt Borschel. In den vielen Jahren ihrer Arbeit seien das "wenn überhaupt vielleicht zehn Störche gewesen". Dadurch, dass die Störche beringt werden, sind sie leicht zu identifizieren.

Und was passiert mit den verstorbenen Jungtieren? "Die meisten holen wir aus den Nestern und graben sie dann ein", sagt Adele Borschel. Einige habe man auch "der Natur überlassen" - sprich: in Wäldern abgelegt, wo sie anderen Tieren als Nahrung dienen.

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