Online: 25.07.2017 - ePaper: 26.07.2017

Flüsse schwillen an

Der zweite extreme Dauerregen in diesem Monat: Meteorologe spricht von "spürbaren Folgen des Klimawandels" in Lüchow-Dannenberg

ZoomDie Jeetzel, wie hier in Wustrow, ist derzeit randvoll. Die heftigen Regenfälle lassen den Wasserspiegel wohl auch noch in den kommenden Tagen weiter ansteigen.

Lüchow. Der kräftige Dauerregen macht Lüchow-Dannenberg weiter zu schaffen. Während viele Landwirte mit überfluteten Feldern und nassem, aber erntereifem Korn zu kämpfen haben (EJZ berichtete), steigen auch die Flusspegel im gesamten Kreisgebiet an. Zudem liefen vereinzelt Keller voll, vor allem in Lüchow nahe der Jeetzel, wo das Grundwasser durch die Bodenplatte drückt. Verantwortlich für die großen Regenmengen ist ein Kaltlufttropfen über Mitteleuropa, an dem sich eine scharfe Luftmassengrenze gebildet hat. Zwar fielen im Kreisgebiet nicht so hohe Summen wie im Harz - wo stellenweise bis zu 190 Liter auf den Quadratmeter fielen -, doch die Böden sind gesättigt. Erst vor gut drei Wochen gab es intensiven Dauerregen mit bis zu 120 Litern Regen auf den Quadratmeter in Lüchow-Dannenberg. Laut Diplom-Meteorologe Hilger Erdmann sind das bereits spürbare Folgen des Klimawandels. "Die Extremwetterlagen werden zunehmen. Wir werden häufiger solche heftigen Regenfälle erleben, Sturm, Gewitter, Tornados. Denn es ist immer mehr Warmluft im Angebot, und die transportiert Feuchtigkeit." Bisher sei mehr als das Doppelte des Monatssolls an Regen im Kreisgebiet erreicht worden, sagt Erdmann. Bis Mittochabend können noch 90 Liter Regen zusammenkommen, das Regengebiet drehe sich nahezu komplett ortsfest im Kreis, betont Erdmann. Deshalb hatte der Deutsche Wetterdienst bereits im Laufe des Dienstagvormittags seine Warnung auf eine Unwetterwarnung erhöht.

Der für die Bewirtschaftung der Jeetzel zuständige Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN), hat die Wehre entlang der Jeetzel nur teilweise an die neuen Wassermassen angepasst. Das Weitscher Wehr habe der NLWKN fast komplett gelegt, damit die Wassermassen schneller abfließen können, berichtete Klaus Jänsch als Stellvertreter für den Betrieb der Wehre gegenüber der EJZ. Das Lüchower Wehr sei aber in Absprache mit der Unteren Wasserbehörde des Landkreises auf Normalstand geblieben. Das hänge damit zusammen, dass man den Wasserstand für die gesetzten Gründungspfähle des Wehres halten müsse. Eine Wasserwelle aus Sachsen-Anhalt ist für Mittwochnacht vorausgesagt. Dafür wird der NLWKN den Betrieb des Lüchower Wehres über Nacht auf Automatik umstellen, damit das Wehr entsprechend reagieren kann.

Anders als für die Elbe, gibt es für die Jeetzel übrigens keine Hochwasserprognose. In Lüchow und Wustrow ist die Jeetzel bereits leicht über die Ufer getreten. In Lüchow hält allerdings ein Deich die Wassermassen weitestgehend zurück.

Ärger gibt es indessen bei einigen Landwirten, die ihre Felder entlang der Alten Jeetzel haben. Die stünden teils komplett unter Wasser - aus Sicht der Landwirte habe der NLWKN daran Schuld, weil zu viel Wasser aus dem Jeetzelkanal in die Alte Jeetzel gelassen werde. tl

^ Seitenanfang