Online: 10.08.2017 - ePaper: 11.08.2017

Eigentümer will sich trennen

Skurriles Verkaufsobjekt: Die Kaserne Neu Tramm steht für 15 Millionen Euro auf einem Immobilienportal

ZoomDie ehemalige Kasernenanlage in Neu Tramm steht zum Verkauf. Einen zweistelligen Millionenbetrag will der Eigentümer dafür haben – hinzu kommen für den Käufer noch einmal Kosten in Höhe von mehr als zwei Millionen Euro an Maklercourtage und sonstigen Nebenkosten.

rg Neu Tramm. Das ehemalige Kasernengelände Neu Tramm hat eine ereignisreiche Geschichte. Von den Nationalsozialisten zwischen 1938 und 1944 als Anlage zur Herstellung von Munition und V1-Raketengeschossen erbaut, wurde es nach dem Krieg als Flüchtlingsunterkunft, als BGS- und später auch als Bundeswehrkaserne genutzt, in den 1990er-Jahren vom Bund an einen Lüchow-Dannenberger Unternehmer verkauft und dann immer mal wieder zur Unterbringung von Polizisten im Castor-Einsatz oder auch als Versorgungsdepot bei Hochwasser herangezogen. Jetzt steht das Gelände wieder zum Verkauf: Auf einem Internet-Immobilien-Portal wird es für eine Summe von satten 15 Millionen Euro angeboten.

Mit dem Verkauf ist der Immobilienmakler Rainer Dellemann betraut. Der Sitz seines Büros ist in Bovenden im Landkreis Göttingen. Eigentümer des Areals, auf dem dem Verkaufsexposé zufolge "mehr als 30 Wohn- und Nutzgebäude, Küche, Kasino und Hubschrauberlandeplatz" zu finden sind, ist der Lüchow-Dannenberger Unternehmer Holger Müller-Hauschildt beziehungsweise dessen Firma "Wendländische Verwaltungsgesellschaft II Neu Tramm mbH", die den ehemaligen Kasernenkomplex verwaltet. Dem Anbieter zufolge umfasst das Gelände eine Fläche von mehr als 525000 Quadratmetern, von denen "laut rechtskräftigem Bebauungsplan (…) noch etwa 30000 Quadratmeter zusätzlich bebaut werden" können.

Errichtet werden können dem Exposé zufolge "Anlagen für Bildung, Schule, Unterricht, kirchliche, kulturelle, soziale, gesundheitliche und sportliche Zwecke". Auch Verwaltungs-, Geschäfts- und Bürogebäude sowie Gebäude für freie Berufe, Einzelhandelsbetriebe mit einer maximalen Verkaufsfläche von 500 Quadratmetern, Schank- und Speisewirtschaften, Betriebe des Beherbergungsgewerbes, Vergnügungsstätten und Gartenbaubetriebe" könnten eingerichtet oder neu gebaut werden - und natürlich Wohngebäude und Ferienwohnungen. Nicht erlaubt seien hingegen "touristische Großprojekte, Gebäude für öffentliche Verwaltungen, allgemeinbildende Schulen, Krankenhäuser, Kliniken, Kureinrichtungen und Golfplätze".

Auch ganz konkrete Vorschläge, was man mit dem Areal machen könnte, finden sich in dem Exposé: Ein Feriendorf sei vorstellbar, auch Sport- und Wellnessanlagen wie ein Erlebnisbad sowie Kleingewerbe wären denkbar, ebenso Gastronomie und Hotellerie. Alternativ wird vorgeschlagen, "eine Kombination von Alterswohnsitzen sowie betreutem Wohnen" anzudenken, denn "innerhalb des relevanten südlichen und südöstlichen Gebietes der Metropolregion Hamburg ist ein konzeptionell vergleichbares Objekt bislang nicht präsent".

Diverse Gebäude seien in den zurückliegenden Jahrzehnten, nämlich zwischen 1952 und 1994, modernisiert worden, heißt es vom Makler in seinem Exposé. So seien Dächer neu gedeckt, neue Fenster eingebaut und die Sanitäranlagen erneuert worden. Auch gebe es ein zentrales, ölbefeuertes Heizwerk. Zuletzt habe man in den Jahren 2010 und 2011 rund 3,7 Millionen Euro in "weitere Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen" investiert. Alle Gebäude, heißt es, befänden sich in einem guten Zustand, vor allem jene, die unter Denkmalschutz stehen.

Derzeit besteht für die Liegenschaft noch ein Mietvertrag mit dem Land Niedersachsen beziehungsweise der Niedersächsischen Polizei. Dieser endet jedoch am 31. Dezember dieses Jahres, bestätigte eine Sprecherin des Innenministeriums in Hannover. Genutzt werde das Areal von der Polizei schon länger nicht mehr. Anwohner berichten, dass dort einige Gebäude vom Eigentümer als Lager betrieben würden, zudem sollen dort Mitarbeiter eines Unternehmens in Riskau untergebracht sein.

Nicht betroffen von dem Verkauf ist das Historische Feuerwehrmuseum Neu Tramm. Die Gebäude, in denen es untergebracht ist, sowie das Gelände drumherum, seien Eigentum der Samtgemeinde Elbtalaue, sagt Museumsleiter Jürgen Linde. Auch der Kulturverein Raum 2 ist nicht betroffen: Der Verein hatte sein Areal und die Gebäude 2015 erworben. Die Reihenhäuser neben beziehungsweise vor dem Kasernenareal gehören zum überwiegenden Teil ihren Bewohnern und sind auch nicht Teil des zum Verkauf stehenden Groß-Objektes.

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