Online: 04.01.2014 - ePaper: 00.00.0000

Betrifft: Artikel »Streit um Gewerbe in Tarmitz Süd» (EJZ vom 20. Dezember) Dem Leser des Artikels könnte der Gedanke kommen, dass es sich hier primär um einen alltäglichen Nachbarschaftsstreit handeln könnte, aber wenn man die Dimension der einzelnen Planungen betrachtet, muss dem Leser klar sein, dass es sich hier um ein Problem handelt, das den Charakter und die Struktur des Dorfes Tarmitz nachhaltig gefährdet, wenn nicht sogar das Dorf direkt zerstört. In einer Umfrage im Dorf durch die Verwaltung der Stadt Lüchow haben sich nahezu zwei Drittel der Tarmitzer Grundstücksbesitzer gegen die vorgelegte Planung ausgesprochen, eine klare Mehrheit.

»Vertrauen in die Politik geht ganz und gar verloren»

Leider sieht es die Mehrheit des Stadtrates nicht so.

Diese Planung zieht sich nun seit 2009 durch die Sitzungen des Stadtrates und seiner Untergremien. Auslöser war, dass die Firma Brünger sowohl den Bereich außerhalb der Abgrenzungssatzung, aber auch innerhalb des Dorfgebietes in nicht genehmigter Art und Weise für ihren Gewerbebetrieb aufgebaut und genutzt hat. Es geht also nicht nur um ein paar Lkw- Stellplätze (25 sind geplant), sondern auch um eine bis heute nicht genehmigte Werkstatt und sonstige Nebengewerke, die mit den größten Lärm des Gewerbebetriebes verursachen. Wegen dieser Planung musste das gesamte Gebiet zwischen Tarmitz und dem Friedhof im Flächennutzungsplan als Gewerbegebiet ausgewiesen werden.

Auf der Fläche südlich von Tarmitz sollte ein Dorfgebiet entstehen, dies hat der Stadtrat mehrheitlich in seiner Sitzung im November 2012 beschlossen, mehr nicht. Als dann im November 2013 die öffentliche Auslegung der Änderung des Flächennutzungsplanes und des Bebauungsplanes erfolgte, traf das die Tarmitzer wie ein Blitzschlag. Wir sind wieder da, wo wir 2009 bereits waren, allerdings noch schlimmer. Es wird zwar immer wieder betont, dass hier nicht einfach gebaut werden kann, solange in diesem Gebiet kein Bebauungsplan erstellt wird. Diesen Aussagen traut jedoch keiner mehr, da, wie derzeit erfolgt, ein bisher bestehendes Grünland ganz einfach per Beschluss zum Mischgebiet werden kann. Hier sollten alle Bewohner der umliegenden Orte mal ihre Ortsvertrauensleute fragen, wie sie denn bei einer gleichen Situation in ihrem Ort abstimmen würden.

Die Tarmitzer haben das Problem, dass der Antragsteller dieser ganzen Maßnahme gleichzeitig auch Mitglied des Stadtrates, Vorsitzender des Bauausschusses und Ortsvertrauensmann von Tarmitz ist. Das im Artikel erwähnte Lärmgutachten zahlt übrigens der Antragsteller, was soll da schon rauskommen? Das Vertrauen in die Politik geht hier doch ganz und gar verloren, und man braucht sich nicht zu wundern, wenn immer mehr Bürger politikmüde werden und nicht mehr an Wahlen teilnehmen. In Süddeutschland würde man sagen, dass die Umsetzung dieser Maßnahme ein gewisses Gschmäckle hat, ich denke, dem werden viele Bürger zustimmen.

Der ausgelegten Planung haben 35 Tarmitzer offiziell widersprochen. Also erneut eine absolute Mehrheit für die Erhaltung des Dorfes in seiner lebendigen Dorfstruktur.

Bernd Leitner, Tarmitz


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