Online: 15.01.2014 - ePaper: 00.00.0000

Betrifft: Artikel »Weißes Gold vom Bauernhof» (EJZ vom 10. Januar) Der Artikel vom guten Verdienst der Milchbauern am »weißen Gold» ist leider den beschönigenden Falsch-Darstellungen der wirtschaftlichen Lage der Milchbauern durch Milchkonzerne und Bauernverbands-Vertreter aufgesessen. Die Erzeugerpreise sind zwar nicht mehr so katastrophal niedrig wie vor einigen Jahren, aber angesichts massiv angestiegener Preise für Futtermittel und Landpacht längst noch nicht kostendeckend.

Industrie beschönigt Milch-Erzeugerpreise

Der Strukturwandel mit der Verdrängung bäuerlicher Betriebe geht deshalb unvermindert weiter - mit einer zunehmenden Verlagerung der Milcherzeugung in agrarindustrielle Größenordnungen und zulasten lebendiger ländlicher Regionen und der Nutzung von Weiden und Grünland generell.

Auch der aktuelle Saison-Milchpreis in Höhe von 40 Cent je Kilogramm und erst recht der Durchschnittspreis des Jahres 2013 von 37 Cent liegen deutlich unter den Durchschnittskosten der Milcherzeuger von 43 Cent in Norddeutschland, der ohnehin nur die Kosten abdeckt, ohne Gewinn oder Investitionsmittel für die Zukunftssicherung. Im Durchschnitt der vergangenen sechs Jahre lag der Erzeugerpreis sogar nur bei 32 Cent.

Man kann nur davor warnen, sich auf die angeblichen Aussichten der Weltmarkt-Exportstrategie großer Molkereikonzerne und deren vorgebliche »Wertschöpfungsketten-Partnerschaft» mit den Bauern zu verlassen. Die von der Milchindustrie bejubelten, derzeitigen EU-Exportmöglichkeiten in Schwellenländer beruhen wesentlich auf besonderen Ausnahme-Rahmenbedingungen wie der Dürre in Australien und den begrenzten Ausdehnungsmöglichkeiten der neuseeländischen Milchwirtschaft. Es ist zu erwarten, dass vor allem die USA ihre kostengünstiger erzeugten Milchmengen für den Export in Drittländer massiv erhöhen werden, außerdem droht im Rahmen einer eventuellen Freihandelszone der Export von hormongepushter US-Milch in die EU.

Angesagt ist weiterhin eine eigenständige Interessenvertretung der Milchbauern, um durch eine molkerei-übergreifende Bündelung der Milchmengen in Erzeugerhand ausreichende und zukunftssichernde Erzeugerpreise in Höhe von 50 Cent gegenüber allen Molkereien und damit auch gegenüber dem Handel durchzusetzen. Angesichts des Auslaufens der Milchquote im Jahre 2015 ist dies umso dringlicher, weil mit einem weiteren Anstieg der preisdrückenden Milchüberschüsse zu rechnen sei.

Nach Ende der Milchquoten-Regelung droht ein rechtsfreier Raum, in dem vor allem große Milchkonzerne mit ihren regionalen Monopolen darüber bestimmen könnten, von welchen Betrieben sie die Milch beziehen - unter anderem zulasten von molkereiferneren Betrieben aus Grünlandregionen ohne kostengünstige Maisfuttergrundlage. Umso mehr sind wirklich konsequente Grünland- und Weidemilchprogramme der rotgrünen Landesregierung zu unterstützen.

Renate und Eckehard

Niemann, Varendorf

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