Online: 22.01.2014 - ePaper: 00.00.0000

Betrifft: Artikel »Mit dem Rad ins AZH» (EJZ vom 8. Januar) Herzlichen Glückwunsch, wieder einmal wird in Hitzacker etwas gebaut, was kein Hitzackeraner braucht. Wieder wird Geld ausgegeben, das wir nicht haben, und wieder denkt keiner an die Folgekosten in den nächsten Jahren.

»Wieder denkt keiner an die Folgekosten»

Als ich vor einiger Zeit zum ersten Mal davon hörte, dass am Archäologischen Zentrum (AZH) ein Fahrradständer für 16000 Euro gebaut werden soll, habe ich dies nicht ernst genommen, weil doch gar nicht feststeht, ob das AZH überhaupt erhalten bleiben soll. Doch nun muss ich der Zeitung entnehmen, dass es die bittere Wahrheit ist. Und noch schlimmer, der Fahrradständer soll sage und schreibe 163500 Euro kosten.

Super, so geht man mit dem Geld anderer Leute um. Sicher braucht die Stadt nur 20000 Euro dazuzubezahlen oder, wie es ein Ratsmitglied vor einiger Zeit am Beispiel Verdo (Euro-Grab) mal mathematisch anders ausdrückte: Nur etwa drei Euro in diesem und sieben Euro in jedem weiteren Jahr müsste jeder Einwohner Hitzackers dazubezahlen. Einen derart kleinen Betrag sollte uns das AZH doch auch wert sein, oder?

Hat sich eigentlich schon mal jemand über die Kosten/Nutzung Gedanken gemacht? Bei Eintrittspreisen für Erwachsene von vier Euro und für Kinder/ Jugendliche von zwei Euro mal 30 Fahrradtouristen pro Tag sind das täglich rund 100 Euro zusätzliche Einnahmen. Öffnungszeit ist von April bis Oktober, das entspricht etwa 214 Tage. Dies ergibt zusätzliche jährliche Einnahmen von rund 21000 Euro. Das hört sich eigentlich nicht schlecht an. Aber eigentlich ist auch eine Einschränkung. Suchen die Fahrradfahrer, die bei uns übernachten (Hotel, Pension, Ferienwohnung), nicht eigentlich nur eine günstige und saubere Unterkunft, um sich von ihrer Fahrt zu erholen, und kein Museum?

Fazit: Es kommen vielleicht nur drei Fahrradfahrer pro Tag. Die Unterhaltungskosten fallen aber trotzdem an, und schon sind wir wieder im Minus. Aber vielleicht soll die Fahrradstation ja für die Hamburger sein, die durch ihre Mitfinanzierung (Förderfonds der Metropolregion) sicher davon begeistert sind und mal mit dem Fahrrad rüberkommen. Diese Entscheidung passt wieder mal gut zu Hitzackers Ratsleuten.

Auch die großen Hinweistafeln mit den 18 Feldern an Hitzackers Ortseingängen (Kosten: rund 15000 Euro) hielt ich zunächst für sinnlos. Aber hier bin ich inzwischen anderer Meinung. Widersprüchlichen Aussagen zufolge sollen dort die letzten 18 Bürgermeister oder vielleicht auch Schützenkönige abgebildet werden. Für die Nutzung als Adventskalender fehlen leider sechs Felder. Aber der letzte Vorschlag gefällt mir am besten: eine Hitliste der kostenintensivsten »Ver»planungen des Hitzackeraner Stadtrates in den zurückliegenden 20 Jahren. In diesem Sinne mein Appell an unsere gewählten Volksvertreter: Tut mal was für die Einwohner und Bürger, zum Beispiel Beseitigung der vielen Schlaglöcher, bessere Straßenbeleuchtung, wieder mehr Mülleimer, Umfeldpflege und so weiter.

Rolf Schütte, Hitzacker


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