Online: 03.03.2014 - ePaper: 03.03.2014

Als Gastronom in Lüchow-Dannenberg möchte ich einen besonderen Typus von Tourist beleuchten. Um Ähnlichkeiten mit lebenden Personen zu vermeiden, möchte ich meinem Gast den Fantasienamen Dr. Tom Willi Scharf geben. Er ist ein treuer Verehrer unseres Landkreises. Er bereiste unsere schöne Landschaft schon im Jahre 2001. Damals hüllte er sich in eine rote Fahne und hielt sich in sozialen und demokratischen Kreisen auf. Ja, es gefiel ihm so gut bei uns, dass er einen öffentlichen Posten im Kreishaus bekleiden wollte. Zu diesem Zwecke warb er mit markigen Thesen aus seinem Erfahrungsschatz zusammen mit bescheidenen Wünschen: Er wollte im Mercedes durch unsere schöne Heimat schweben, eine Sekretärin sollte sein kleines Büro schmücken, und alle Aufgaben sollten über die Rathäuser im Land verteilt sein. Es sollte auch nicht mehr zu Streit kommen, Kreistagssitzungen wollte er nach spätestens drei Stunden beenden.

„Badische und unsymbadische Menschen“

Leider kam es nicht dazu, denn ein Mann mit brennender Asche im Namen kam über ihn und den Posten, das wählende Volk wollte unserem scharfen Tom nicht so recht vertrauen. Dies kam wohl auch daher, dass Touristen in ihrer Urlaubslaune einiges zu verklärt sehen und ihre eigenen Fähigkeiten geringfügig überschätzen. Hier eröffnet sich Raum für Spekulationen, die ich aus meinem touristischen Nähkästchen nähren könnte.

Und so war er weg, unser Doktor. Es zog ihn wieder Richtung Bonn. Tom drängte es nach wie vor, ein öffentliches Amt auszufüllen. So in Karlsruhe als Bürgermeister wie auch in Sehnde oder in Stade wollte er Landrat werden wie in Waldeck-Freudental in Hessen. Zudem versuchte er, einen Landtagskandidatenposten zu ergattern. Wie wir sehen, ist unser geschätzter Tom äußerst reiselustig und wollte immer seine Dienste in der schon erwähnten roten Fahne sozial und demokratisch dem Volke uneigennützig andienen, leider bisher erfolglos.

Und nun ist er heimgekehrt in den Landkreis! Unser vermisster Lustreisender Tom Willi, in schwarzem, etwas zu groß geratenem Zwirn, aber mit rotem Parteibuch! Aber was macht er im idyllischen Zernien? Er begibt sich in schwarze Höhlen einer Organisation, die vorgibt, christlich und demokratisch zu sein. Diesen trägt er seine Gedanken an in der Hoffnung, Landratskandidat für diese Union zu werden. Und das als Gegenkandidat zu einem, von seinen Parteigenossen unterstützten Amtsinhaber. Was treibt unseren Tom zu dieser Intrige und Verrat? Meint er, wir seien alle dement und reif für den Rundling?

Deshalb rate ich unserem imaginären Dr. Tom Willi Scharf: Geh wieder auf Reisen. Als Gast bist du willkommen, aber Gäste gehen auch wieder. Und wie sagt man in Süddeutschland über die Menschen in deiner badischen Geburtsstadt? Es gibt badische und unsymbadische!

Hannes Dörr, Gülden

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