Online: 11.04.2014 - ePaper: 11.04.2014

Erfolglos beworben

Betrifft: Artikel "Das Nachwuchsproblem" (EJZ vom 15. März)

Seit nunmehr sechs Monaten suche ich vor allem im Landkreis Lüchow-Dannenberg, Lüneburg und Uelzen nach einer Anstellung im Bereich Finanzen beziehungsweise Controlling und habe mich im Zuge der Suche bei so gut wie allen Unternehmen in der Region beworben. Wurde ich je zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen? Nein. Habe ich je eine Chance bekommen, mich zu beweisen? Nein. Habe ich überhaupt jedes Mal eine Antwort bekommen? Nein. Fachkräftemangel und Respekt vor dem Bewerber sehen für mich anders aus.

Ich komme nicht aus dieser Region, möchte jedoch sehr gern für meine Verlobte ins Wendland ziehen. Ich habe ein international ausgerichtetes Studium in den Niederlanden erfolgreich abgeschlossen und während dieser Zeit in mehreren Unternehmen in Deutschland, Österreich und den Niederlanden im Bereich Controlling und Finanzmangement gearbeitet. Bei so einer Willkür an Absagen und den nicht gegebenen Chancen wundert es mich nicht, dass Jugendliche und/oder Fachkräfte das Weite suchen. Auch ich muss mich nun in anderen Regionen umschauen und werde in diesem Zuge auch meine Verlobte mitnehmen, die zwar im Wendland Arbeit gefunden hat, aber aufgrund der für mich beschränkten Chancen mit mir wegziehen muss.

Ich kann daher Herrn Grocholls Angst, keine Fachkräfte zu finden, nicht verstehen und werfe diesen "Ball der Schuldzuweisungen" an die Unternehmen zurück. Zu hohe Anforderungen an Einstiegsjobs scheinen die Absolventen eher zu schikanieren als sie anzusprechen. Wenn man Berufseinsteigerannoncen liest, die ein Minimum von zwei bis drei Jahren Berufserfahrung erfordern, dann frage ich mich, wie dieser Personaler beziehungsweise die Verantwortlichen ihre Berufserfahrung nach dem Studium erworben haben. Anscheinend nicht mit einem Berufs-einsteigerjob.

Deniz Süzer, Lüchow

^ Seitenanfang