Online: 15.04.2014 - ePaper: 16.04.2014

Betrifft: Artikel „Ran an das Doppel-Phänomen“ (EJZ vom 11. April)

Von Bund und Land alleingelassen

Der Kreistags-Ausschuss Atomanlagen und öffentliche Sicherheit hat in seiner jüngsten Sitzung empfohlen, zwei Studien für insgesamt 13 000 Euro in Auftrag zu geben, die den Nachweis erbringen könnten, warum in der Nähe von Atomanlagen wesentlich weniger Mädchen geboren werden als Jungen (EJZ berichtete). Immerhin handelt es sich in Westeuropa um eine Größenordnung von 220 000 Mädchen seit der Havarie des Kernkraftwerkes in Tschernobyl (Bericht in „Die Welt“ vom 8. April.2014).
Die Empfehlung wurde einstimmig von alle Fraktionen des Ausschusses gefasst, was nicht häufig der Fall ist. Kritiker könnten fragen, warum ein armer Landkreis wie der unsrige bereit ist, eine solche Summe für einen solchen Zweck auszugeben. Dazu sei gesagt, dass es eine Verpflichtung des Kreistages und seiner Ausschüsse ist, für die körperliche Unversehrtheit seiner Bevölkerung Sorge zu tragen. Es gibt nach Auskunft kompetenter, unabhängiger Wissenschaftler genügend Anhaltspunkte, dass auch das Zwischenlager in Gorleben wesentlich höhere Emissionen (Neutronen- und sekundäre Gammaortdosisleistungen) in seinem Nahbereich hat als bisher ermittelt. Entsprechende Messungen an den Austrittsöffnungen des Zwischenlagers werden nicht durchgeführt.
Trotz konkreter Befürchtungen meint das Bundesamt für Strahlenschutz, hier nicht tätig werden zu müssen. Ob finanzielle Gründe (eventuell teure Nachrüstungen im Zwischenlager) ausschlaggebend sind, mag jeder für sich beurteilen. Der Ausschuss sieht sich jedoch bei dieser Problematik in der Pflicht und von Bund und Land alleingelassen. Er hat deshalb die zuständigen Stellen aufgefordert, wenigstens die Studien zu finanzieren, weil es deren Aufgabe ist, in Verdachtsfällen wie den vorliegenden, alles zur Ermittlung des Sachverhalts nötige zu veranlassen. Dass diese Bitte abschlägig beschieden wird, ist abzusehen, da man noch nicht einmal bereit ist, eine finanzielle Unterstützung für die Begleitung des Standortauswahlverfahrens durch zwei Abgeordnete aus dem Kreistag zu leisten.
Dem Landkreis wird auch vom Bundesamt für Strahlenschutz zugemutet zu akzeptieren, dass ein Absturz eines Airbus A 380 auf das Zwischenlager keine Auswirkungen auf die Umwelt hat, obwohl die Entsorgungskommission in ihrem Stresstest für Atomanlagen vor einem Jahr gerade das in Zweifel zog. Leider scheint man in Bund und Land berechtigte Befürchtungen der hiesigen Bevölkerung nicht Ernst zu nehmen. Wir werden daher auch in Zukunft wie damals ein kleines gallisches Dorf gegen die Römer zu kämpfen haben.
Dieter Sauter, Prießeck,
Kreistagsvorsitzender und
Mitglied desAtomausschusses

^ Seitenanfang