Online: 25.04.2014 - ePaper: 25.04.2014

Keine Sicherheit beim Fracking

Betrifft: Fracking

Obama - und mit ihm Oettinger, Merkel und Gabriel - sehen durch das Spannungsverhältnis mit Russland die Gelegenheit, die Fracking-Technologie in Europa zu forcieren und ihr in Deutschland überhaupt zum Durchbruch zu verhelfen. Unterstützung kommt durch eine Kampagne aus Wirtschaftskreisen. Es sind jedoch keineswegs Befürchtungen und Ängste vor der neuen Technologie, wie die Politiker und Meinungsmacher den Bürgerinnen und Bürgern unterstellen. In Frankreich hat das Verfassungsgericht  das landesweite Fracking-Verbot im Oktober 2013 bestätigt. Das Gericht belegte unvertretbare und nicht beherrschbare Risiken für Umwelt und Gemeinwohl. Von den USA bis Sibirien erreichen uns Berichte über katastrophale Umweltschäden und zerstörte Lebensgrundlagen.

Es gibt keine Sicherheit, wenn in 3000 oder 1500 Metern Tiefe das Gestein entlang der horizontalen, kilometerlangen Bohrung aufgesprengt wird mit Druck von bis zu 1500 bar. Das funktioniert im Schema. Nur in der Wirklichkeit existiert kein homogenes Gestein über Kilometer hinweg. Es gibt Klüfte, Verschiebungen, mitunter alte Bohrungen, die nicht mal kartiert sind. Methan ist Hauptbestandteil von Erdgas. Der Weltklimarat IPCC nimmt für einen 20-Jahres-Zeitraum eine 72-mal höhere Klimagefährlichkeit von Methan gegenüber Kohlendioxid an. Andere gehen von einer mehr als 100-fachen Wirkung aus. Überraschend zeigten Untersuchungen Leckagen und ungewollt entweichendes Gas von vier bis acht Prozent. Zählt man die zahlreichen Unfälle und die noch größeren Leckagen bei Offshore-Anlagen mit 20 bis zu über 40 Prozent entweichendem Gas weltweit dazu, bricht die Theorie vom Erdgas als Brücke zur regenerativen Vollversorgung vollends in sich zusammen. Das Nachbarland Dänemark will bis 2050 aus Öl und Erdgas aussteigen. Seit Anfang des Jahres gilt ein Gesetz, das die Installation von Öl- und Gasheizungen in dänischen Neubauten verbietet. Ab 2016 gilt das auch für den gesamten Altbestand. Ein Förderprogramm beschleunigt die Umstellung - auch in der Industrie. Konversion für die hiesige Ergasindustrie! Unabhängigkeit von Gas-Importen? Das Wirtschaftsministerium hat 2010 eine Grafik veröffentlicht. Mit 240 Frackbohrungen in acht Jahren könnten 14 Milliarden Kubikmeter Gas gefördert werden. Das ergibt weniger als zehn Prozent des tatsächlichen Verbrauchs. Mit Fracking-Ingenieuren stand ich am Rande einer Veranstaltung in Salzwedel zusammen. Sie arbeiteten für Schlumberger und Halliburton, weltweit, kannten Gasfelder von USA, Kanada, Sibirien, Kasachstan, Saudi-Arabien. "Gibt es irgendeine Sicherheit, wenn gefrackt wird", wollte ich wissen. Ein einhelliges "Nein" war die Antwort. Und: "Lieber heute als morgen aussteigen!"

Johanna Voß, Simander

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