Online: 25.04.2014 - ePaper: 25.04.2014

Dreist und unverschämt

Betrifft: Artikel "Schleichwerbung im Wahlkampf" (EJZ vom 3. April)

Einfach unglaublich. Da werden alte Leute eingeladen. Ein sogenannter Seniorennachmittag. Diese Veranstaltung ist, wenn sie so stattgefunden hat, an Dreistigkeit beziehungsweise Unverschämtheit nicht zu überbieten. Da stellt sich ein Vorstandsmitglied des Gartow-er Männerchores vor die alten Leute und gibt eine parteipolitische Empfehlung ab. Ich bin selbst ein Mitglied und Sänger in diesem Chor. An diesem Tag hatte ich keiner Zeit mitzusingen. Wäre ich als Sänger anwesend gewesen, hätte ich meine rote Sängerjacke ausgezogen und hätte diese "Verunstaltung" verlassen. Ich lasse mich nicht zum Steigbügelhalter für irgendjemanden instrumentalisieren. Schon gar nicht für politische Gestalten.

Ich bin kein Anhänger des Gegenkandidaten. Beide sind für mich nicht wählbar. Beide sind meiner Einschätzung nach der normativen Kraft der Mittelmäßigkeit anheim gefallen. Grotesk finde ich es, dass kein einziger der Sänger nach dieser "Rede" den Saal verließ.

Bei der nächsten Ratsversammlung muss von Seiten der Räte darauf gedrungen werden, dass der finanzielle Zuschuss zu dieser Veranstaltung in dem Gemeindehaushalt zurückgeführt wird. Sollte das nicht gewollt sein, so wäre es am besten, wenn die Ratsmitglieder zurücktreten würden. Alles andere wäre der Demokratie abträglich.

Es sei denn, so manche können es nicht abwarten, die lupenreine Demokratie als "Putinschen" Brückenkopf in dieser Noch-Republik zu installieren.

Hugo Hager, Kapern

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