Online: 01.08.2014 - ePaper: 01.08.2014

Agrarpolitik neu ausrichten

Betrifft: Artikel "Nahrung wäre für alle da" (EJZ vom 30. Juni)

Wir finden es sehr lobenswert, dass die EJZ mit diesem Artikel auf die ARTE-Dokumentation hingewiesen hat. Vielen Dank für die sehr differenzierte Zusammenfassung dieser Reportage aus dem Jahr 2012. Der Film dokumentiert anhand von diversen Interviews, belegt mit zahlreichen wissenschaftlichen Studien, dass nur eine "nachhaltig betriebene Agrarökologie" die Ernährung der Weltbevölkerung in Zukunft sicherstellen kann. Einige hoffnungs- und mutmachende Ansätze belegen dies anschaulich und überzeugend.

Leider werden die seit Jahren bekannten Untersuchungsergebnisse zu den schädlichen Auswirkungen des massiven Pestizid-Einsatzes in der Regel totgeschwiegen. Die im EJZ-Beitrag erwähnte Schätzung, dass jedes Jahr 26000 Menschen in der EU an durch Pestizide verursachtem Krebs sterben, basiert auf einer im Jahr 2008 abgeschlossenen und vom EU-Parlament beauftragten Studie. Eine entsprechende Zahl für die Bundesrepublik Deutschland liegt uns leider nicht vor. Auch im schönen Wendland dürften jedes Jahr etliche Menschen diesen Spritzmitteln zum Opfer fallen, weil auch hier der Geruch nach Pestiziden oft wochenlang weiträumig wahrnehmbar ist.

Bereits im Weltagrarbericht der UN von 2008 "Landwirtschaft am Scheideweg" kommt der Weltlandwirtschaftsrat zu dem Schluss, dass die Weichen in der Agrarpolitik dringend neu gestellt werden müssen. 58 Nationen haben diesen Bericht damals unterzeichnet. Eine gut lesbare Darstellung dieser Zusammenhänge durch den stellvertretenden Vorsitzenden des Rates wurde 2009 von der Bundeszentrale für politische Bildung veröffentlicht (http://www.bpb.de/apuz/32204/die-ernaehrungskrise-ursachen-und-empfehlungen).

Leider konnte die Agrarlobby (Monsanto und Co.) den unbedingt erforderlichen Wechsel der politischen Zielsetzung bisher verhindern, obwohl immer klarer wird, dass die Gewinne der Agrarchemie-Konzerne langfristig nur auf Kosten sowohl der Volkswirtschaft als auch der Volksgesundheit erzielt werden können. Die für die Agrarpolitik Verantwortlichen haben aus den Skandalen der Vergangenheit nichts gelernt. DDT, das praktisch alle Deutschen aus der Nahrung im Körper gespeichert haben, wurde viel zu spät verboten. Atrazin, eingesetzt vor allem im Maisanbau, galt so lange als unbedenklich, bis es im Grundwasser nachgewiesen wurde. Aktuell hat eine Untersuchung der Universität Leibzig ergeben, dass bei 80 Prozent der Untersuchten das Totalherbizid Round-up im Urin nachzuweisen ist. Die Regierungen in der EU sind dringend gefordert, die Agrarpolitik endlich zu korrigieren, damit die Vergiftung von Mensch und Natur und die fortschreitende Degradation der Ackerböden endlich gestoppt werden.

Wir würden uns über Unterstützung in unserem Bemühen freuen, den Ansatz der Agrarökologie - nicht nur - im Wendland zu fördern.

↔Silvia Meurer und

↔Detlef Kober, Riebrau

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