Online: 06.08.2014 - ePaper: 06.08.2014

Dialog am Runden Tisch bliebe "eintaktisches Aushalten von Verhaltensgrenzen"

Betrifft: Worte zur Besinnung "Schöner leben ohne …?!" von Michael Ketzenberg, Breselenz (EJZ vom 12. Juli)

Vorab: Sich festzubeißen an der sehnsüchtigen Formulierung des Plakats und sie misszuverstehen als Absicht zur gewaltsamen Entfernung von Mitmenschen, ist schlicht eine Unterstellung. Man trifft nicht auf "Gedankengut, das einem friedlichen Miteinander nicht dienlich ist" (wird man kaum hören, außer in alkoholisierten Runden, wie schon geschehen), sondern auf konkrete Menschen mit Vorhaben und Verhalten. Ratschläge, "man muss doch mit ihnen reden", "erst einmal wissen, was die wollen", "zum Infotreffen ebenfalls einladen", "nicht ausgrenzen", "sich an einem runden Tisch mit ihnen austauschen" und dergleichen sehe ich durchaus und mit gutem Grund äußerst kritisch.

Zunächst wird dabei kaum etwas über Konfrontation Hinausgehendes zu erwarten sein. Das Vertreten einer Ideologie von historisch unzweifelhaft manifestierten Massenmördern mit aktuellen Zugaben wie Holocaustleugnen und Kriegsschuldverlagern etc. kann und wird nicht toleriert oder gar akzeptiert werden. Einzig sinnvolles Gespräch wäre ein quasitherapeutisches, um Neonazis zu helfen, von ihrer Weltsicht loszukommen.

Aussichtslos. Wenn ein Neonazi sich selbst als solchen bezeichnet, dann jemandem Ausstiegsabsichten vorspiegelte, der ihm das abnahm, traf er auf Naivität.

Ihre realen Ansichten und vernetzte Kontakte sind nachzuvollziehen, sofern man will. Die rechte Szene ist hochgradig mit Selbstzeugnissen aktiv in sozialen Medien wie Facebook, sehr leicht individuell identifizierbar. Echter Dialog mit Farbe bekennen ist darüber hinaus in einer Gruppe schlicht nicht möglich, in der nicht ein inhaltliches "Aufeinanderzugehen", ein "Kompromissaushandeln" als Ziel vorstellbar ist. Zur nationalsozialistischen Weltsicht mit den bekannten Ingredienzien gibt es keine Annäherung.

Wenn es aber nur um "Miteinanderauskommen", "Nachbarschaftpflegen" oder ähnlichem gehen sollte, ist Vorsicht geboten. Ansiedlung hier im Landkreis mit zur Schau getragener Absicht zu "ländlicher Selbstversorgung" ist mit nicht geringer Wahrscheinlichkeit keine individuelle Entscheidung, wie uns geläufig und selbstverständlich wäre. "Ökonazis", bereits vielfach und fundiert belegt, etwa in der Dokumentation "Braune Ökologen" der Heinrich-Böll-Stiftung, übrigens in Kooperation mit der Evangelischen Akademie Mecklenburg-Vorpommern, folgen einer langfristigen Strategie "... zum Etablieren nationalistischer Brückenköpfe, bei der die Siedlungspunkte einerseits als Wohlfühloasen und andererseits als Versammlungsorte und Operationsbasen dienen". Genau das ist in Wibbese zu beobachten, und zwar mehr als ansatzweise.

Eingedenk dessen, bliebe der "Dialog an einem Runden Tisch" nur mehr ein taktisches Aushandeln von Verhaltens- und Duldungsgrenzen. Regeln für das Verhalten, da wo wir leben, sind aber längst festgeschrieben, etwa in den für alle verbindlichen, freilich konkret durchzusetzenden Gesetzen und Vorschriften. Runder Tisch, so what?

Knut J. Jahn,

Wibbese

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