Online: 08.08.2014 - ePaper: 08.08.2014

Klein-Hühnerhalter sollen aufgeben

Betrifft: Impfpflicht für Hühner

Im Landkreis sind exakt 290 kleine Hühnerhalter mit Beständen unter 20 Tieren gemeldet. Dazu kommen 201 Betriebe, die bis 100 Hühner halten. Aus dem Bekanntenkreis weiß ich, dass das wohl weniger als 50 Prozent der tatsächlichen Halter ausmacht. Die registrierten Halter werden also nun genötigt, ihre Tiere zeitlebens alle sechs Wochen mit chemischen Präparaten, über deren Langzeitwirkung auf Tier und Mensch niemand etwas weiß, rein vorsorglich voll zu stopfen: vom Kükenalter, bis die Henne tot von der Stange fällt. Acht Jahre lang, alle sechs Wochen, also 70-mal einen unbekannten Pharmacocktail einflößen.

Das verträgt sich nicht mit meiner Vorstellung, Hühner artgerecht zu halten und ein pharmakafreies Ei aus einer dioxinfreien Fütterung essen zu können. Das entspricht auch nicht dem genetischen Potenzial der alten Hühnerrassen, deren Existenz zum Teil bereits im 17. Jahrhundert nachgewiesen wurde. Seitdem haben diese Rassen Dürren, Kriege und bislang auch alle Hybridzüchtungen überlebt. Aber mit Dauerimpfung wegen atypischer Vogelpest, zwangsweisem monatelangem Einsperren werden sie irgendwann verschwinden.

Ursache sind aber mitnichten die kleinen Hühnerhalter, die ihrer Impfpflicht nicht nachkommen, sondern die Megaställe mit tausenden von Tieren - und die Entsorgung des dort anfallenden Hühnerkots, der unbehandelt großflächig entweder direkt auf die Äcker aufgebracht wird oder auch über den Umweg Biogasanlage in der Landschaft verteilt wird. Und das, wen wundert's, auch illegal, wie gerade jetzt erst in Zer-nien. Im übrigen sagte mir heute der Tierarzt meines Vertrauens, dass wohl schon demnächst keine Impfpräparate mehr verfügbar sein werden. Was dann? Die Präparate sind ohnehin nicht für Hühnerhalter mit wenigen Tieren gemacht. Die kleinste Einheit enthält 1000 Dosen und wirkt nach Öffnung nur zwei Stunden. Die Entsorgung des Rests geht über die Mülltonne oder die Toilette?

Vorteile hat die Pharmaindustrie. Bisher belegte Deutschland innerhalb der EU Platz 4 mit 211 mg Antibiotika pro Kilogramm behandelter Biomasse - pro Jahr. Zum Vergleich: Dänemark 43 mg, Finnland 23,8 mg, Schweden 13,6 mg und Norwegen an letzter Stelle mit 4,3 mg. Demnächst also Pharmaka-Weltmeister. Das fehlt noch.

Viel gravierender ist der Vorteil jedoch für die Geflügelindustrie. Dort geht es bei den Kalkulationen um Zehntelcentbeträge, und der Anteil des Eiermarkts und der Masthähnchen, der über Selbstversorger abgedeckt wird, weckt da Begehrlichkeiten. Also startet man mit viel Geld ausgestattete Kampagnen. Zielrichtung: die Selbstversorger zur Aufgabe zu zwingen. Tierseuchenkasse, Impfungen, hoher Druck mit Krankheitskeimen aus der Massentierhaltung, und den Rest erledigen Fuchs und Habicht. Und an dem Punkt sind wir jetzt. Es wird Zeit, dass wir uns als Selbstversorger-Hühnerhalter bundesweit zusammenschließen. Erfahrung im Widerstand haben wir hier reichlich.

Willy Hardes, Braasche

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