Online: 08.08.2014 - ePaper: 08.08.2014

Unverhältnismäßiges Vorgehen

Betrifft: Artikel "Blutbad in UN-Schule von Gaza" (EJZ vom 31. Juli)

Jetzt ist es tatsächlich soweit: Der Staat Israel outet sich durch sein vollkommen unverhältnismäßiges militärisches Vorgehen in Gaza als unmoralisches und rassistisches Land. Täglich finden zurzeit in Gaza Kriegsverbrechen statt.

Bei der Staatsgründung 1948 wurden annähernd 800000 Araber auf teils widerwärtigste Art und Weise vertrieben, ihr Land enteignet, ihre Dörfer zerstört. In der nunmehr fast 50-jährigen Besatzungszeit wuchs in Israel ein Rassismus schlimmster Ausprägung heran, der in ein regelrechtes Apartheidssystem mündete.

96 Prozent der Palästinenser sind auf kleinen Landinseln zusammengepfercht, 30000 Häuser wurden in ihren Gebieten zerstört wie auch etliche Olivenhaine und andere landwirtschaftliche Flächen. Durch den (illegalen) Siedlungsbau wurde eine Zwei-Staaten-Lösung praktisch unmöglich gemacht. So wurde die gesamte palästinensische Bevölkerung ins Elend und in die Hoffnungslosigkeit getrieben. Da stellen sich die Raketen der Hamas, die selbstverständlich auch ein Kriegsverbrechen darstellen, da auch sie wahllos Zivilisten treffen können, fast als eine Reaktion der totalen Verzweiflung dar, der Topf der israelischen Gewalt kochte über.

Es stellt sich inzwischen die Frage, ob ein Staat wie Israel, der moralisch und politisch derart tief gesunken ist, für die Zukunft überhaupt noch als demokratisches Land einzustufen sein wird. Wann werden Palästinenser gelbe Halbmonde tragen müssen? Wann wird Israel sein offensichtliches Ziel, die Palästinenser komplett in die Nachbarländer zu vertreiben - also deportieren -, geschafft haben?

Die gewalttätige jahrzehntelange Unterdrückungskampagne Israels gegen die Palästinenser könnte allerdings zuvor zum kompletten Kollaps der israelischen Herrschaft führen. Schluss mit der Lagerhaltung der Palästinenser in Gaza, Schluss mit der Zerstörung der zivilen Infrastruktur und vor allen Dingen Schluss mit der Tötung unschuldiger Zivilisten und Kinder.

Es muss leider auch noch gesagt werden: Unsere Bundesregierung mit der Kanzlerin an der Spitze ist Mittäterin durch ihre verbalen Verharmlosungen des in Gaza stattfindenden Völkermordes.

Günther Neuhaus, Splietau

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