Online: 15.08.2014 - ePaper: 15.08.2014

Kriminelles Vorgehen selbsternannter Tierschützer

Betrifft: Ferkelfabriken

Was für Bilder in der ARD-Dokumentation "Deutschlands Ferkelfabriken"! Da erschlagen Mitarbeiter in großen Sauenanlagen lebensschwache Ferkel, gefilmt und dokumentiert von Tierschützern. Wie sieht es aber in der heutigen Ferkelproduktion wirklich aus?

Ein Landwirt braucht eine gesunde, stabile Sauenherde, um gute und gesunde Ferkel zu produzieren. Eine Sau bekommt im Jahr etwa 25 Ferkel. 20 Ferkel decken mit ihrem Erlös die Produktionskosten, fünf Ferkel sind für Investitionsrücklagen und Lebenshaltungskosten notwendig. Die letzten fünf Ferkel entscheiden aber darüber, ob ein Betrieb erfolgreich wirtschaftet oder nicht. Sauen bekommen heute dank höherer Fruchtbarkeit mehr Ferkel, als sie mit ihren Zitzen versorgen können. Außerdem konkurrieren alle Ferkel von der ersten Lebensminute an um die besten Milchdrüsenkomplexe, denn sie brauchen in den ersten 24 Stunden jeden Tropfen Muttermilch mit den überlebenswichtigen Immunstoffen. Sind Ferkel untergewichtig (weniger als 800 Gramm), dann fehlt ihnen die Kraft, das Gesäuge zu stimulieren, aber ohne Milch keine Antikörper der Mutter, keine Energie und keine Flüssigkeit. In dieser Phase werden zum Teil Ferkel an Ammensauen umgesetzt oder mit Milchaustauscher und Elektolytlösungen versorgt. Wenn diese Maßnahmen nichts helfen, dann verhungern die Ferkel bei der Mutter.

Das schmerzlose Töten von lebensschwachen verhungernden Ferkeln ist kein Spaß, verkürzt aber die Leidenszeit der Tiere in dieser Phase erheblich. 25 Jahre habe ich als Schweinetierarzt den landwirtschaftlichen Strukturwandel vom kleinen Familienbetrieb bis jetzt hin zur industriellen Massentierhaltung begleitet und mich gefragt: Warum müssen diese Betriebe ständig "wachsen oder weichen" (pleitegehen)? Die Antwort ist einfach: Sie unterliegen dem ewigen Mantra unsere Politiker: "Wir brauchen mehr Wachstum". Unendliches Wachstum ist in unserer endlichen Welt nur möglich, wenn Banken immer wieder neues Geld produzieren und per Kredit in Umlauf bringen. Dann freut sich der Landwirt über die niedrigen Zinsen und baut mit dem "billigen Geld" größere, rentablere Ställe. Heute sehen wir in der Landwirtschaft aber stagnierende Hektarerträge, ausufernde Bürokratie und steigende Verschuldung, bedingt durch das leistungslose Gelddrucken der Zentralbanken. Warum dürfen Zentralbanken planwirtschaftlich milliardenfach Geld aus dem Nichts produzieren und damit die Existenz unserer landwirtschaftlichen Betriebe aufs Spiel setzen?

Nach diesem Beitrag der ARD würde ich als betroffener Landwirt die selbsternannten Tierschützer wegen ihres kriminellen Vorgehens bei der Polizei anzeigen, und als Richter würde ich sie zu sechs Monaten auf Bewährung im Ferkelstall verurteilen. Vielleicht steigt dann die gegenseitige Achtung, und es gibt eine zukünftige konstruktive Lösung zum Wohle unserer Ferkel.

Dieter Busse, Kirchgellersen

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