Online: 15.08.2014 - ePaper: 15.08.2014

"Geschmacklose Verunstaltung"

Betrifft: Ehrenhain in Gartow

Bei einem Besuch des Ehrenhains in Gartow musste ich feststellen, dass das große HoIzkreuz, das den Mittelpunkt der ganzen Anlage bildete, entfernt ist und außerdem eine Einfügung von Ruhestätten polnischer und russischer Kriegsgefangener wie eine gewollte Dissonanz stattgefunden hat. Wie ich hörte, soll das Holzkreuz unbekannten Tätern zum Opfer gefallen sein. Nach den bisherigen Erfahrungen kann aber nicht ausgeschlossen werden, dass sie auf das Geheiß von Anstiftern handelten. Die Zerstörung des beherrschenden Holzkreuzes kommt einer Grabschändung gleich, die Einfügung fremder Gräber, die dem Gedanken der Gedächtnisstätte zuwiderläuft, ist Stilbruch und Umfälschung des Sinnes, den diejenigen unter Einbeziehung der Tradition des Ersten Weltkrieges in die Anlage hineinlegten, die sie errichtet haben.

Ich gönne den Polen und Russen gern eine würdige Grabstätte; auf einer Anlage, die zu dem Zweck errichtet wurde, an die in den letzten Kämpfen um Sein oder Nichtsein gefallenen deutschen Soldaten zu erinnern, haben sie jedoch nichts zu suchen. Das wissen auch die hierfür Zuständigen, die mit ihrer Maßnahme gerade diese Sinngebung zu treffen, zu verwirren und zu schädigen beabsichtigten. Die Pietät sollte verbieten, an einer geschaffenen Gedenkstätte nachträgliche Veränderungen vorzunehmen. Schon die geschmacklose Verunstaltung durch den in den einfriedigenden Wald hineingestellten Funkmast kann als Entweihung empfunden werden. Als ob es in der näheren und weiteren Umgebung keinen Platz gegeben hätte, der diesem Mast zur Aufstellung hätte dienen können.

So folgte Schritt auf Schritt, um den Geist, aus dem der Ehrenhain geschaffen wurde, in die Flucht zu treiben. Genau diesen Eindruck nahm ich von meinem Besuch mit. Aber sei es drum! Entweder wird dereinst eine andere und in ihrer Harmonie ungestörte Gedächtnisstätte geschaffen, die dann auch die Inschrift des Holzkreuzes als der Seele des Ganzen wiederherstellt, oder wir erleben eine Zukunft, die zur ursprünglichen Gestaltung zurückfindet und den fremden Gräbern eine eben solche Stätte an anderer Stelle vergönnt.

Klaus Baade,

Lüchow

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