Online: 15.08.2014 - ePaper: 15.08.2014

Notreaktion auf den Rückgang der Artenvielfalt

Betrifft: Artikel "Bauern-Kritik an Streichliste" (EJZ vom 9. August)

Aua, der Kreislandwirt - auch Vertreter des Bauernverbandes - macht sich Sorgen um die Bienen. Mit einer Begrenzung des Blühstreifenprogramms "... stehen künftig für die Bienen und andere Insekten deutlich weniger Flächen zur Ver-fügung..."

Ja, die Lebensbedingungen unserer Bienen verschlechtern sich zunehmend, schleichend. Und die Ursache dafür - hierauf wird vonseiten der Imkerei oder des Umweltschutzes immer wieder hingewiesen - ist die intensive Landwirtschaft, die just der Bauernverband vorantreibt.

Die Folgen dieser Landwirtschaft: Rückgang der Artenvielfalt und damit Verminderung des Nahrungsangebotes für Bienen aufgrund von Monokulturen, hohem Düngemitteleinsatz, Umbruch von Brach- und Grünland, Einsatz von Spritzmitteln (vergleiche Bestandsaufnahme Bundesumweltministerium zur Lage der biologischen Vielfalt, März 2014).

Auch bei uns im Landkreis kann man es sehen. Dort, wo das erste Getreide oder Gras abgeerntet worden ist, sofort ist die Fläche "freigegeben" für die Entsorgung von Gülle oder von Gärsubstrat aus Biogasanlagen, und das nicht zu knapp; dazu im Frühjahr tot gespritzte braune Flächen durch das Totalherbizid Roundup. Wie soll sich da eine Artenvielfalt entwickeln? Und dann noch die Auswirkung von Pollen auf die hoch sensiblen Bienen, der durch Spritzmittel belastet ist.

Angesichts dieser Realität überrascht die Sorge um die Bienen von einem Vertreter des Bauernverbandes doch ein wenig. Gerade das Angebot einer Vielfalt unbelasteten Pollens über die gesamte Vegetationsperiode ist für das Immunsystem und die Vitalität der Biene von entscheidender Bedeutung. Das ist auf dem Land nicht mehr gegeben. Aussagekräftig und erschreckend ist die Tatsache, dass sich die in den Städten gehaltenen Bienen, zum Beispiel in Hamburg oder Berlin, besser entwickeln und vitaler sind als bei uns auf dem Land.

Eine Begrenzung des Blühstreifenprogramms wäre, wenn es denn so zutrifft, nicht gut. Blühstreifen sind schon sinnvoll, sie bieten unter anderem der Biene ein gutes Nahrungsangebot, vorausgesetzt, die Saat enthält wirklich eine hohe Anzahl unterschiedlicher Trachtpflanzen und ist nicht begrenzt auf wenige Arten.

Es muss gesagt werden, dass Blühstreifen eine Art Ausgleichsmaßnahme sind, eine Notreaktion auf den Rückgang der Artenvielfalt und eines durch Spritzmittel belasteten unzureichenden Nahrungsangebotes unter anderem für Insekten, und das verursacht von einer Landwirtschaft, für die der Bauernverband eine erhebliche Verantwortung trägt. Und zudem werden diese Blühstreifen subventioniert und von der Allgemeinheit teuer bezahlt.

Das Wohl und vielleicht auch Überleben der Biene liegt nicht in dem Anlegen von immer mehr Blühstreifen, sondern in einer ökologischen Landwirtschaft, die die Artenvielfalt fördert und achtet und der Biene ein unbelastetes Nahrungsangebot bietet.

Hermann Klepper,

Imker, Banzau

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