Online: 21.08.2014 - ePaper: 21.08.2014

Hass gesellt sich zu Unwahrheiten

Betrifft: Leserbrief "Unverhältnismäßiges Vorgehen" von Günther Neuhaus, Splietau (EJZ vom 9. August)

Ujujui, da schwappt der Haß aber über den Tellerrand. Da muss ja was ganz Schlimmes durch einen Juden widerfahren sein? Und wie so oft gesellt sich Hass zu Halbwahrheiten und Unwahrheiten. Von denen, die jetzt in den Städten auf die Straße gegen Israel und "Tod den Juden" schreien, haben viele noch nie einen Juden von Nahem gesehen, geschweige denn mit einem gesprochen oder je Zeit in Israel verbracht.

Ich bin nicht dazu da, Falsches richtig zu stellen. Wer sich in die Richtung informieren kann, kann dies auch in die andere Richtung. Wir haben heutzutage alle Möglichkeiten dazu. Und vielleicht wendet sich der Hass in Informiertheit. Wie war das 1948? Da kann man anfangen. Und man wird erfahren, dass etwa 800000 Juden nach dem Angriffskrieg nach der Staatsgründung aus den umliegenden arabischen Ländern vertrieben wurden und ihre Habe zurück lassen mussten. Redet man da heute von diesen Vertriebenen? Wurden die Bewohner Israels vertrieben, wie war das? Lesen Sie nach. Doch dies sei genug, wie gesagt, jeder kann sich selbst informieren.

Doch wie kann es sein, dass ständig - eben auch vor dem jetzigen Krieg - unzählige Raketen nach Israel geschossen werden? Hat man das Geld nicht nötiger für andere Güter? Was wollen diejenigen, die mannshohe stabile Tunnel bis tief ins Landesinnere Israels graben? Ich möchte wissen, was Deutschland täte, wenn zum Beispiel Frankreich ständig Raketen nach Süddeutschland herüberschießen würde. Und komme man nicht mit dem Einwand, dass dies selbstgebastelte Spielzeugraketen seien. Wurde nicht ein Schiff voll mit Raketen aus dem Iran mit entsprechender Markierung aufgebracht?

Die Süddeutsche Zeitung vom 9. August schreibt in einem Kriegstagebuch: Der Tod lässt sich filmen, die Todesangst nicht. Und der Tod wird in die Kamera gehalten, ein No go in westlichen Staaten und auch in Israel, auch die drei ermordeten Schüler wurden nicht so gezeigt. Aber genau das ist es: Den Krieg der Bilder kann Israel nicht gewinnen. Und man macht Israel quasi zum Vorwurf, dass nicht so viele Menschen umkommen, weil sie viel Zeit in Bunkern verbringen, die genauso mit Zement gebaut sind wie die Tunnel von Gaza nach Israel. In Gaza dagegen plaziert man die Abschussrampen mitten in Wohngebiete.

Vom besetzten Zypern redet keiner oder von Tibet, Gaza war schon jahrelang nicht besetzt, und trotzdem wird ständig von dort geschossen. Und schließlich regt sich keiner auf über die Flut von Christen, die gerade jetzt fliehen müssen, wenn sie nicht ihren Glauben aufgeben wollen, und dies nicht nur im Irak, sondern auch in Ländern Afrikas werden Kirchen mit den Gläubigen abgebrannt. Aber dafür ist dann keine Empathie - oder kein Interesse - mehr übrig.

Eva Schubring,

Lüchow

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