Online: 21.08.2014 - ePaper: 21.08.2014

Hilse gefährdet bäuerliche Erzeugerpreise

Betrifft: Artikel "Hilse: Minister Meyer gefährdet Erfolg der Erholung des Milchmarktes" (EJZ vom 13. August)

Herr Hilse hat die Kritik von Agrarminister Meyer an der riskanten und krisenanfälligen Überschuss-Situation und Exportstrategie auf den Milch- und Fleischmärkten als angeblich "fern jeder Marktkenntnis" bezeichnet. Dies zeigt abermals, dass Herrn Hilses "Marktkenntnis" offenbar lediglich auf dem Tunnelblick der Fleisch- und Molkerei-Konzerne beruht, in denen er oder andere Bauernverbandsvertreter Posten bekleiden.

Herrn Hilses Schönrederei der Exportstrategien nach Russland oder China verkennt, dass sich die Erzeugerpreise der Bauern unter dem Druck der brasilianischen, nordamerikanischen oder neuseeländischen Konkurrenz auf den Weltmärkten im freien Fall befinden, nicht erst seit der russischen Importsperre.

Eine grundlegende "Marktkenntnis" besagt: Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis, ein Überangebot führt gerade auf Agrarmärkten zu einer überproportionalen Erzeugerpreis-Senkung. Und schon der gesunde Menschenverstand sagt, dass es für Bauern keinen Sinn macht, zu hohen deutschen Kosten erzeugte Überschüsse zu den Billigstpreisen der viel kostengünstiger produzierenden brasilianischen oder ozeanischen Konkurrenz auf dem Weltmarkt zu verschleudern. Ganz abgesehen davon, dass große Fleisch- und Milchkonzerne mittlerweile eigene Ställe oder Fabriken in Russland oder China aufbauen.

Gut, dass - im Gegensatz zu Herrn Hilse - Minister Meyer seine Verantwortung nicht nur für Fleisch- und Milchkonzerne, sondern auch für Bauern wahrnimmt und EU-weite Strategien für eine Mengenbegrenzung auf den EU-Bedarf und eine Ausrichtung auf "Klasse statt Masse" zu deutlich höheren Erzeugerpreisen anregt. Er liegt damit auch auf der Linie des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter, der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft und ganz vieler weiterer Bauern.

Eckehard Niemann,

Varendorf

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