Online: 25.08.2014 - ePaper: 25.08.2014

Nach Hochwasserbemessungslinie gebaut

Betrifft: Artikel "Geplant, gebaut, geflutet" ( EJZ vom20. August)

In diesem Bericht schreibt der Redakteur mit dem Kürzel -bp- über die Lage in Vietze und den geplanten Deichbau. Er schreibt davon, dass in den 70er-Jahren ein Bebauungsplan genehmigt worden ist, der so hätte nicht genehmigt werden dürfen, da er im damaligen Überschwemmungsgebiet lag. So weit, so wohl richtig.

Damit hört es dann allerdings auf. Auf der Titelseite wird ein Haus gezeigt, das gar nicht im damaligen Überschwemmungsgebiet liegt. Im Bericht wird ein Bauunternehmer für tot erklärt, der, Gott sei Dank, noch quicklebendig ist. Aber was viel wichtiger ist, ist die Frage, was dieser Redakteur mit diesem Bericht bezweckt. Ist er der Meinung, dass die Leute, die zum Beispiel 20 Jahre später dort Häuser gekauft haben, hätten wissen müssen, dass der Landkreis dort eventuell einen Fehler gemacht hat? Ist er der Meinung, dass man in Zukunft das komplette, sogenannte Bauernende in Vietze absaufen lassen sollte, weil der Landkreis vor 40 Jahren die Baugenehmigungen für ein paar Häuser nicht hätte bewilligen dürfen? Wie bösartig muss man sein, um auf solche Gedanken zu kommen?

Im sogenannten Bauernende stehen etwa 30 Häuser, die beim letzten Hochwasser betroffen waren beziehungsweise dieses Mal noch ganz knapp davongekommen sind. Viele davon sind mehr als hundert Jahre alt. Auch die neu gebauten Häuser sind meines Wissens - bis auf eines - über der damaligen Hochwasserbemessungslinie (von den Experten berechnetes höchstes Hochwasser innerhalb von hundert Jahren) gebaut worden. Außerdem stehen auch ein paar alte, von Schiffern gebaute Häuser dort. Die haben immer gesagt, dass nichts passieren kann, eher läuft das Wasser "drüben" über die Deiche. Das hat auch gestimmt. Nur sind die Deiche inzwischen erhöht worden.

Dass seit 2002 alle Elbanlieger erst einmal sich selber schützen (siehe Jeetzelsperrwerk, Aland usw.) und auch dadurch die Hochwasser von Jahr zu Jahr höher werden, möchte dieser Redakteur wohl auch den Vietzern zuschreiben. Überhaupt ist mir bereits bei vielen Artikeln dieses Redakteurs aufgefallen, dass jetzt wohl leider ein Stil in unsere Lokalzeitung eingezogen ist, den ich bisher nur von der Bild-Zeitung kannte. Schade eigentlich.

Karsten Kiehn, Vietze

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