Online: 25.08.2014 - ePaper: 25.08.2014

"Wie eine Akzeptanzkampagne"

Betrifft: Artikel "Starkverschmutzer investiert selber" (EJZ vom 23. August)

Es mutet fast an wie eine Akzeptanzkampagne der Firma Wiesenhof/Allfein: Zunächst werden 30 neue Arbeitsplätze für die Region in Aussicht gestellt, erst einige Tage danach kommt der Hinweis, dass damit eine zusätzliche starke Wasserverschmutzung verbunden ist. Aber auch das ist ja nicht schlimm, denn die Baukosten für eine Erweiterung des Klärwerks trägt der Verursacher. Bis zu 90 Prozent des Fettschlamms kann so herausgefiltert werden.

Unerwähnt bleibt: Wie hoch werden die zusätzlichen Personalkosten und Unterhaltskosten sein, die von der Allgemeinheit zu tragen sind? Auch über die bisherigen Kosten liegen laut EJZ "keine konkreten Zahlen" vor.

Was geschieht mit den mindestens zehn Prozent Fettschlämmen, die nicht herausgefiltert werden? Sie sind ein hervorragender Nährboden für Keime aller Art.

Was geschieht mit den Antibiotika-Rückständen und den multiresistenten Keimen im Abwasser? Beides hat man in den Geflügelproduktionen der Firma Wiesenhof bei entsprechenden Kontrollen wiederholt in bedenklichem Umfang festgestellt. Hygieniker empfahlen Hausfrauen sogar den Gebrauch von Handschuhen bei der Zubereitung von rohem Geflügelfleisch aus Massentierhaltung und anschließende Sterilisierung der Arbeitsgeräte.

Was geschieht mit den genannten Schadstoffen in den Biogasanlagen, wo Fettschlamm verarbeitet wird? Die dort erreichten Temperaturen töten weder die Keime noch zersetzen sie die Antibiotika.

Von einem investigativen Journalismus erwarte ich, dass solchen Fragen nachgegangen wird, es wäre dies auch ein Beitrag zu mehr Ausgewogenheit in der Berichterstattung.

Solange keine befriedigenden Antworten vorliegen, sollte sich jeder Konsument gewissenhaft prüfen: Kann ich es der Umwelt und meinen Mitmenschen gegenüber verantworten, Produkte mit bedenklichen Auswirkungen zu kaufen?

Johann E. P. Strauß,

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