Online: 03.09.2014 - ePaper: 03.09.2014

Zögern hilft nur Putin

Betrifft: Ukraine-Konflikt

Ein Krieg vor den Toren Europas, und die EU ist halbherzig bei der Sache. Es wird in der Politik, in der Regierung über Waffenlieferungen nachgedacht und so manch dämliches Statement abgegeben. Man fragt sich: Habt ihr, liebe Politiker und Verantwortliche, denn gar kein Gewissen, keinen Verstand, oder darf man den jetzt nicht gebrauchen?

Da fährt ein russischer Konvoi in die Ukraine, dorthin, wo die Separatisten herrschen, und hat angeblich lediglich Hilfsgüter geladen. Klar hat er Hilfsgüter geladen, die jedoch den Rebellen helfen, nicht der Bevölkerung. Man, macht endlich mal die Augen auf, dieser Konvoi war ein trojanisches Pferd, und der nächste muss schnell ins Land kommen, damit die Ladung des Ersten sich voll entfalten kann. Unter scheinbaren Hilfsgütern lassen sich wunderbar Waffenteile und Munition verstecken, und mit dem zweiten Konvoi kommt dann die Ergänzung, und der Krieg, an dem Russland sehr wohl ein Interesse hat, bekommt dann so richtig Fahrt.

Nein, Russland will keinen Waffenstillstand in der Ukraine, es will die Ukraine. Wer nur ein wenig Körpersprache versteht, der kann das Bild von der Begrüßung zwischen Putin und Poroschenko richtig deuten. Der von unten nach oben schauende, dabei süffisant lächelnde Putin verrät seine wahren Gedanken. Wer glaubt, Putin wird den Journalisten die Wahrheit über seine Ziele mitteilen, der irrt nicht nur, der ist besonders dumm.

Doch der Westen, hier insbesondere Europa und die KSZE, haben alles und jeden Moment verschlafen, diesen Konflikt zu verhindern, wie schon auf der Krim. Sie sind alle zu sehr mit sich selbst und ihren Pöstchen beschäftigt, so kann sich Putin ein Land nach dem anderen einverleiben. Anstatt zu debattieren und über falsche Möglichkeiten nachzudenken, hätte man die Krim wie auch die Ukraine zuallererst mit Nahrung und anderen Hilfsgütern überschütten müssen. Die Rosinenbomber, die damals Berlin versorgt und den Russen da schon den Schneid abgekauft hatten, die hätten hier ihre Rückkehr feiern müssen, denn ein voller Magen kämpft nicht gern, und wer seine Bedürfnisse besser versorgt sieht als zuvor, der will die alten Zeiten nicht wieder haben.

Natürlich kann man Waffen liefern, die werden den Krieg zwar nicht beenden, sie werden ihn nur ausgeglichener gestalten. Russland wird sich weiterhin stur stellen und den Gashahn weiter zudrehen, die Einfuhr von westlichen Güter weiter beschränken und so den Konflikt in unsere Stuben transportieren, was wir spätestens dann merken, wenn es uns kalt wird, weil die Heizung aus bleibt. Wenn unsere Produktionen auf Halde liegen, weil der Markt im Osten weggebrochen ist, dann hilft auch kein Jammern mehr, jetzt ist Courage und Handeln fällig, auch wenn es vielleicht eine Zeitlang weh täte.

Zögern hilft nur einem: Putin. Aber vielleicht stellen wir auch nur die falschen Fragen, was zahlt die Waffenindustrie dafür, dass hier ein Kriegsschauplatz aufgebaut und erhalten wird?

Herbert Flügel, Lüchow

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