Online: 15.09.2014 - ePaper: 15.09.2014

Ratsmehrheit hat ein Denkmal gestürmt

Betrifft: Fall Luckner in Dannenberg

In einer Zeit, in der zu Recht Erinnerungen an Naziverbrechen geweckt und verurteilt werden und indirekt Beteiligte ihrer in der Nachkriegszeit verdiente Ehrungen abgesprochen werden, ist es trotzdem verwunderlich, dass sich Lokalpolitiker auch noch berufen fühlen, ein Denkmal für einen Soldaten des 1. Weltkrieges zu entfernen.

Ich bin während des 2. Weltkrieges vier Jahre in Breese in der Marsch zur Grundschule gegangen. Wir hatten einen Lehrer, der im 1. Weltkrieg Artellerie-Offizier war, und der versäumte es nicht, jedes Jahr einige Mal auf die militärischen Leistungen des Bauernjungen Friedrich Lüdemann hinzuweisen.

Diese datierten aus den Jahren 1914 bis 1917 als ein Hilfskreuzer, auch segelbestückt, unter dem Kapitän Graf Luckner, der die Aufgabe hatte, Britische Handelsschiffe aufzubringen (zu kapern) und die erbeuteten Waren in neutralen Häfen zu Devisen zu machen und diese wieder zum Ankauf kriegswichtiger Rohstoffe für Deutschland zu verwenden. Die "Graf Luckner" war vor allem wegen der seemännischen Tüchtigkeit ihres 1. Steuermannes Friedrich Lüdemann erfolgreich auf allen Weltmeeren tätig. Das war bis 1917 gültiges Kriegsrecht.

Die Marinesoldaten machten sich also keines Kriegsverbrechens schuldig. Sie wurden später sogar zum Teil durch die englische Marine geehrt! Die Ehrung für seinen 1. Steuermann nahm in den 50er-Jahren Graf Luckner vor. Auf dem gespendeten Stein wurde auch sein Name eingeschlagen.

Pech für den geehrten Seemann Friedrich Lüdemann, denn Graf Luckner soll während der Nazizeit eines Sittlichkeitsverbrechens überführt worden sein, aber zu einer Verurteilung ist es, wahrscheinlich auf Anordnung Hitlers, nicht gekommen.

Unter dieser Prämisse meint eine Ratsmehrheit in Dannenberg eine "Denkmalsstürmung" vornehmen zu müssen. Welch eine Leistung. Ich hoffe, dass die entsprechenden Ratsherren wenigstens mit der Archivierung ihrer Namen einverstanden sein werden.

Einige Exemplare der EJZ gelangen unregelmäßig in überregionale Gebiete. Ich wurde in den vergangenen 30 Jahren telefonisch frequentiert aus: Hamburg, Göttingen, Fulda, Zürich und New York.

August Maatsch,

Gümse

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