Online: 15.09.2014 - ePaper: 15.09.2014

Beschlagnahmt und enteignet

Betrifft: Katze beschlagnahmt

Eigentlich ist es eine Posse, wenn dieses Vorkommnis mir nicht erhebliche Kosten aufbürden würde. Ich bin ein tierliebender Mensch und betreue fünf Katzen, die inzwischen mit Hilfe des Tierasyls in Metzingen alle sterilisiert sind, wofür ich auf diesem Wege nochmals danke. Die Katzen wurden mir von meinen ehemaligen Mitbewohnern überlassen, und ich habe die Tiere gern in Pflege und Betreuung übernommen.

Unter diesen Katzen ist eine sehr alt, wohl etwa 18 Jahre, die seit dem Tode meiner Eltern bei mit wohnt. Die immer noch hübsche Katze, die altersbedingt ein stumpfes Fell hat und an den Hinterbeinen instabil wirkt, ist seit geraumer Zeit inkontinent - soll ja auch bei Menschen vorkommen - und bereitet mir in der Pflege erheblichen Aufwand.

Laut tierärztlichem Befund (110,72 Euro!) vom 19. Mai wurde nach allgemeiner tierärztlicher Untersuchung lediglich festgestellt, dass einige Zähne fehlen, und ich selber konnte täglich bemerken, dass sie hochwertiges Josera-Trockenfutter genüsslich knabbernd verspeist und auch viel Wasser zu sich nimmt.

Da diese Katze durch die Hecke im Vorgarten schlüpft und auch von einer Nachbarin gefüttert wird, kommt meine Katze dort täglich zu Besuch und legt sich auf den wärmenden Betongehweg und liegt dort scheinbar apathisch, um die Sonne zu genießen. Besorgte (?) Menschen haben diese Katze nun zum zweiten Mal ins Fundbüro der Samtgemeinde getragen und von dort zwecks Untersuchung zur Tierärztin gebracht, die diagnostizierte, dass die fast 20 Jahre alte Katze ein stumpfes Fell hat, abgemagert und ausgetrocknet sei und auch zugenommen (!) hätte - wie toll für eine kranke Katze.

Man sah sich aufgrund der Tierverfassung genötigt, das Veterinäramt des Landkreises zu verständigen und hat gleichzeitig, da ich mich als Besitzer dieser Katze ausgewiesen hatte, eine Strafanzeige wegen nicht artgerechter Haltung gegen mich erwirkt. Als ich meine alte Katze wieder bei der Tierarztpraxis in meiner Nähe im Beisein der amtlichen Tierärztin in Empfang nehmen wollte, da es meiner Katze offensichtlich gut ging, eröffnete mir die Amtstierärztin, dass die Katze beschlagnahmt sei und sie in Kürze bei mir Zuhause überprüfen wolle, ob meine übrigen Katzen wohl artgerecht gehalten würden.

Nach dieser kategorischen Ansprache der Frau Amtstierärztin war mein im Normalfall friedliches Gemüt extrem gefordert, so dass ich - jetzt wieder Zuhause ohne meine Katze - versuche, mich mit diesem Leserbrief wieder in die Balance zu bringen.

Da ich mich weigerte, diesen meiner Meinung nach übertriebenen Kostenaufwand der Tierärztin von erneut über 150 Euro zu bezahlen - unter anderem wegen einer Behandlung wegen Herzschwäche, wen wundert das nach dieser Odyssee - wurde ich von der Amtstierärztin genötigt, meine Eigentumsansprüche an meiner Katze aufzugeben. Ich hoffe und wünsche, meine Katze wird's irgendwo gut haben und noch möglichst lange leben.

Horst H. Carmienke,

Dannenberg

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