Online: 18.09.2014 - ePaper: 18.09.2014

Besserwisserischen Schmarrn nicht durchgehen lassen

Betrifft: Artikel "Kurzschlussdenken" (EJZ vom 4. September)

Thomas Janssen ist dafür bekannt, dass er immer mal wieder in die Rolle des journalistischen Scharfrichters schlüpfen muss. Nur dann scheint er so ganz bei sich zu sein. Der (als solcher nicht gekennzeichnete) Kommentar zu einer Veranstaltung der Linkspartei zum Weltfriedenstag passt haargenau in dieses Bild.

Was kommt heraus? Heraus kommt, was herauskommen muss, wenn einer mit dem festen Vorsatz zum Verriss ans Werk geht. Ein Sammelsurium von subjektiven Impressionen und mehr oder weniger unausgegorenen Andeutungen. Ein Standpunkt, der diese Bezeichnung verdiente und mit dem man sich auseinandersetzen könnte, ist jedenfalls nicht erkennbar. Janssen hält das wahrscheinlich für kritische Berichterstattung.

Den Veranstaltern und ihrem Publikum hält er vor, sich mit "einfachen Antworten" zufriedenzugeben, die angeblich nicht oder nicht mehr ausreichten. Was will er uns damit sagen? Dass der Angriffskrieg wieder eine ganz gewöhnliche deutsche Option ist? Dass er nicht vergessen hat, woran die Welt genesen soll? Dass von deutschem Boden nie wieder eine militärische Zurückhaltung ausgehen soll? Ist es das, was er meint? Warum sagt er es dann nicht?

Glaubt er ernsthaft, dass immer mehr Krieg zu Frieden führt? Dass sich mit Waffen und Gewalt Gerechtigkeit herstellen lässt? Glaubt er immer noch daran, dass die Interessen der herrschenden Eliten identisch sind mit denen der Mehrheit, und dass Gauck & Co., wenn sie "Verantwortung" sagen, etwas anderes meinen als Geld und Profit? Wenn er das glaubt: Warum sagt er es dann nicht?

Janssens Logik geht ungefähr so: Vernunft und Besonnenheit = Appeasement. Und wer sich um den Weltfrieden sorgt, weil die Führungsmacht der westlichen "Wertegemeinschaft" längst auf das Völkerrecht pfeift und sich das Recht herausnimmt, in jedem Winkel der Welt Feuer an die Lunte zu legen, Menschengruppen gegeneinander aufzubringen, schmutzige Drohnenkriege zu führen - wer also noch klar sieht und die Dinge beim Namen nennt, der macht sich nach dieser Logik zum nützlichen Idioten verbrecherischer Dschihadisten oder eines auf Expansion gepolten Putins. Wer es wagt, an die Lügen der Herren Bush und Powell (Massenvernichtungswaffen), Scharping und Fischer (Hufeisenplan) zu erinnern, betreibt das Spiel des Kreml.

Kennen wir alles schon, Herr Janssen. Und die Zeiten sind leider nicht so, als dass man Ihnen diesen besserwisserischen Schmarrn achselzuckend durchgehen lassen könnte. Ich schlage vor, dass tj ab sofort und ausschließlich über, sagen wir, das Schützenwesen und die Schützenfeste im Landkreis berichtet. Das ist weniger verfänglich und bietet ebenfalls ausreichend Gelegenheit, den Diskurs-Großmeister herauszuhängen.

Hermann Taubenberger,

Dannenberg

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