Online: 18.09.2014 - ePaper: 18.09.2014

Radfahren: Wahrnehmung mit allen Sinnen

Betrifft: Mit dem Rad zur Schule

Wie können wir es erreichen, dass Schüler/Schülerinnen mehr mit dem Rad zur Schule fahren? Das war vor den Sommerferien erneut die Diskussion im Schulausschuss des Kreistages, in einigen Schulen und im Kreisschulelternrat. Auf die Bedeutung des Radfahrens wurde hingewiesen: Hinführung zu Selbstständigkeit und Selbstsicherheit, bessere Konzentration im Unterricht, Förderung der gesundheitlichen Entwicklung oder Erziehung zu Ressourcenschonung und Umweltbewusstsein.

In der heutigen Zeit bewegen sich junge Menschen immer weniger und entfremden sich zunehmend von der Natur. Dabei sind wir Menschen Bewegungswesen und sind eingebunden in der Natur, sind ein Teil von ihr.

Es tut uns gut, stärkt, macht uns harmonischer und wacher, wenn wir uns in der Natur bewegen, eine Erfahrung, die in der Naturpädagogik zunehmend an Bedeutung gewinnt und dort mit im Mittelpunkt steht. Körperwahrnehmung und Hinführung zur Natur sind auch in heutigen Therapieangeboten zu finden, beim Radfahren in der Natur sind sie kostenlos enthalten, und man kommt dazu noch von A nach B.

Es ist von unschätzbarem Wert, wenn für junge Menschen Bewegung in der Natur, zum Beispiel über das Fahrradfahren, selbstverständlich wird und sich darüber hinaus noch ein ökologisches Bewusstsein entwickeln kann, gerade vor dem Hintergrund notwendigen Klimaschutzes.

Mit dem Radfahren zur Schule bei uns auf dem Land sind junge Menschen unmittelbar verbunden mit der Natur, Wahrnehmung mit allen Sinnen: Geräusche, Gerüche, eine Vielfalt von Farben blühender Pflanzen, das Entdecken von Tieren, Wahrnehmen von Kälte, Wärme, Regen, Wind, Sonne - dazu die Erfahrung körperlicher Anstrengung und Anforderungen bewältigen zu können, das stärkende Gefühl leistungsfähiger zu werden. Und das möglichst noch in einer Gemeinschaft: Freundschaften können entstehen, Gespräche, Austausch über das, was unterwegs wahrgenommen wird anstatt dumpf stummer Bewegungsstau im Schulbus. Was wollen wir mehr? Mit dem Rad zur Schule - eine große Bereicherung für junge Menschen.

Doch wie kann das Fahren zur Schule cool werden? Vorbilder, Impulse von Erwachsenen sind notwendig, vor allem von Eltern und Schule. Prägend sind die Eltern, Schule hat eine große Verantwortung angesichts der Bedeutung des Radfahrens für junge Menschen.

Viele sind bereit, das Ziel "Mit dem Fahrrad zur Schule" zu unterstützen - vielleicht sollte man einfach anfangen, Treffpunkte vereinbaren, in kleinen Gruppen übergangsweise in Begleitung von Elternteilen oder engagierter Erwachsener zur Schule fahren.

Es wäre gut, gelänge es noch in diesem Jahr - wie angedacht - dass alle Schulen des Landkreises am gleichen Tag einen Fahrradtag gestalten. Es wäre ein starkes Signal.

Hermann Klepper,

Banzau

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