Online: 18.09.2014 - ePaper: 18.09.2014

Stigmatisiert

Betrifft: Artikel "Ein richtiger, fester Arbeitsplatz" (EJZ vom 28. August)

Glückwunsch an alle Beteiligten für diesen Erfolg! Eine junge Frau, offiziell mit dem Stempel der geistigen Behinderung versehen, kann nun endlich in einem ganz "normalem" Betrieb arbeiten und beweist, dass sie keinen "beschützten Werkstattbereich" benötigt. Der Weg dorthin war wahrscheinlich anstrengender und steiniger, als der Artikel erst mal vermuten lässt. Zwar ist Inklusion ein hehres und erstrebenswertes Ziel, und auch in Deutschland haben Menschen seit 2009 einen Anspruch auf gleichberechtigte Teilhabe an der Gemeinschaft, aber wir sind noch weit von einer Kommunikation auf Augenhöhe, dem gegenseitigen Lernen und Respektieren von Menschen, egal welcher Herkunft, welchem Geschlecht, Alter oder den individuellen Fähigkeiten, entfernt. Das macht der Artikel doppelt deutlich! Einerseits wird verständlich, warum Samantha Dubs aufgrund ihrer Persönlichkeit und Fähigkeiten diese Arbeitsstelle bekommen hat, und andererseits stellt der Untertitel die Diagnose der geistigen Behinderung in den Vordergrund. Und so wird aus einer jungen erfolgreichen Frau mit vielen Fähigkeiten eine geistig Behinderte. Und auch, wenn jetzt Einige über sprachliche Korrektheiten stöhnen werden: Dass die Bezeichnung geistig behindert keine Stigmatisierung darstellt, wird wohl niemand behaupten können.

Ruth Schuster, Zebelin

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