Online: 30.09.2014 - ePaper: 30.09.2014

Wir wär's mit einer Bedarfsanalyse?

Betrifft: Artikel "Wieviel ÖPNV neben dem Schülerverkehr bleibt?" (EJZ vom 19. September)

Anlass zu (un)eingeschränktem Nachdenken? Wieviel ÖPNV bleibt bei 25 Prozent Leistungskürzung? Keiner weiß anscheinend so recht, wo die 25 Prozent Mehrkosten entstehen, aber vielleicht gibt es bei unserer Verwaltung ja einfach so etwas wie einen "Zeitdruck-Zuschlag", unter dem die Berechnung zustande kommt. 2016 steht vor der Tür, was einen neuen Nahverkehrsplan und Neuausschreibungen der ÖPNV-Leistungen erfordert. Der Termin steht wohl schon seit sechs Jahren fest. Aber es geht uns doch allen so: Wenn Aldi nicht jetzt Zimtsterne verkaufen würde, würden wir erst beim ersten Schnee erschrocken feststellen: Weihnachten fällt ja dieses Jahr auf den 24. Dezember!

Aber weshalb dieser Sarkasmus? Schon vor Jahren machten wir konkrete Vorschläge, die aber nie auf Resonanz gestoßen sind. Seit Jahren ist das auf wendland-mobil.net nachzulesen. Wieso haben wir erst durch den zu erwartenden Kürzungsdruck "die Chance, alle Fahrten zu analysieren: Welche können zusammengelegt werden?", wie die EJZ den Fachdienst der Kreisverwaltung zitiert. Bisher war es egal, wenn Strecken zeitgleich doppelt bedient wurden? Und was ist davon zu halten, wenn es heißt, dass wir jetzt "ohne Einschränkungen nachdenken" müssen? Im Bericht sind die altbekannten Denkbeschränkungen schon wieder benannt, wenn es heißt, es müsse analysiert werden, ob "die schönen Angebote" überhaupt genutzt werden. Es soll also wieder einmal überprüft werden, ob das Angebot genutzt wird, um dadurch festzustellen, ob es gebraucht wird.

Also für mich als Handwerker zum Verständnis mal ein Beispiel: Angenommen, ich habe einen Hammer, leider mit abgebrochenem Stiel. Ich analysiere nun, wie oft ich diesen Hammer benutze und überlege: eigentlich nicht so oft, eher nie. Schlussfolgerung: Ich brauche keinen Hammer! Busse, die drei Monate im Jahr (Schulferien) nicht fahren, sonnabends und sonntags und wenn es dunkel wird im Depot bleiben. Wenn wir feststellen, dass die nicht genutzt werden? Daraus erkennt man also, was benötigt wird? Ja selbstverständlich! Deshalb reicht eben auch die im Artikel der EJZ erwähnte "fertige Bestandsanalyse", dass die kreis-eigenen Experten den neuen Nahverkehrsplan jetzt mal eben selbst erstellen. Wie wäre es mit einer "Bedarfsanalyse"? Wie wäre es, darüber nachzudenken, ob man die Menschen fragen sollte, was sie brauchen, welche Ideen sie haben? Der Kreis-Mobilitätstag am 5. Oktober im Dannenberger Bahnhof: Ein Anlass für alle Lüchow-Dannenberger, "ohne Einschränkungen nachzudenken", was wir brauchen und wie eine zukunftsfähige Verkehrsentwicklung aussehen könnte. Für die Verantwortlichen dazu noch die Gelegenheit, den Dialog zu suchen.

Bernd Rübsam-Wassong,

Hitzacker,

Wendland-mobil e.V.

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