Online: 16.10.2014 - ePaper: 16.10.2014

Bewährung nicht verdient

Betrifft: Artikel "Wie ein Berufsverbrecher" (EJZ vom 20. September)

Da hat sich ein kriminelles Nachwuchstalent alle Mühe gegeben, oder besser gesagt, gemacht, um sorgenfrei im Knast überwintern zu können, und da macht ihm der Richter einen Strich durch die Rechnung. Hoffentlich verkraftet der 18-Jährige diese herbe Enttäuschung und verliert nicht den Glauben an die Rechtsstaatlichkeit, wo Straftaten Folgen haben. Was hätte er also noch tun sollen oder müssen, um entsprechend verurteilt zu werden? Nach, ich denke, nicht nur meinem Empfinden müsste allein die sexuelle Belästigung eines Kindes für eine Verurteilung ausreichen, aber es war wohl nicht das Kind des Richters. Wenn dieser angesichts des ellenlangen Straftatenregisters ein halbes Jahr lang über eine Bewährung nachdenken muss, dann hat er doch damit die Strafe bereits für diese Zeitspanne ausgesetzt.

Viele Verbrecher heucheln vor Gericht Reue oder Bedauern, indem sie (von ihren Anwälten verfasst?) etwas verlesen lassen, um ein milderes Urteil zu erreichen. Nicht mal das hielt der oben Genannte für nötig, wie sein - Zitat - "teilnahmsloses Grinsen" beweist. Schon deshalb hat er keine Bewährung verdient. Mahnende Worte hatten bei ihm die gleiche Wirkung, als wenn man einem Ochsen ins Horn kneift.

Dass so viele Strafen zur Bewährung ausgesetzt werden, mag auch eine Kostenfrage sein. In einem Bericht wurden einmal 110 Euro genannt, die die Unterbringung eines Häftlings den Steuerzahler täglich kostet. Vollpension und Freizeitgestaltung mit Sportprogrammen hat halt überall seinen Preis. Ich wünsche nur jedem harmlosen kleinen Parksünder, dass ihm die gleiche Nachsicht und Milde widerfahren möge.

↔Willi Grande, Prisser

^ Seitenanfang