Online: 17.10.2014 - ePaper: 22.10.2014

Mitarbeit statt Feindseligkeit

Betrifft: Artikel "Knirschen im rot-grünen Gebälk" (EJZ vom 8. Oktober)

Der Bauernverband wehrt sich gegen die "weitgehende'' Agrarwende von Landwirtschaftsminister Meyer. Insbesondere der erweiterte Moorschutz und die Maßnahmen zu etwas verbessertem Tierschutz sind dem Landvolkpräsident Hilse ein Dorn im Auge.

Wie wird die Kritik begründet? Es sind im Wesentlichen finanzielle Gründe aus rein betriebswirtschaftlicher Sicht: Durch zusätzliche Moorschutzgebiete würden den Landwirten wertvolle Acker- und Weideflächen entzogen. Das mag stimmen. Aber es hat sich noch kein Bauernvertreter beklagt, wenn zum Beispiel wieder einmal Agrarfläche für ein neues Einkaufszentrum auf der grünen Wiese geopfert wurde. Es geht also nur um die Höhe der Entschädigung. Unerwähnt bleibt der unermessliche Wert von Moorflächen für den Klimaschutz. Von der Fähigkeit der Moore, große Mengen von CO2 und Wasser zu speichern, profitieren alle, vor allem auch die Landwirte!

Ähnlich ist es mit dem Tierschutz bestellt: Wenn auf das Kürzen der Schnäbel bei Geflügel, das Abschneiden der Schwänze bei Schweinen und das Verschmoren der Hörner bei Rindern verzichtet wird, dann brauchen die Tiere mehr Platz zur Minderung von Aggressionen. Das senkt unbestreitbar zunächst die Einnahmen der Produzenten. Mittelfristig würde aber auch hiervon die gesamte Gesellschaft profitieren: Die Landwirte könnten für tiergerecht erzeugte Produkte ihre Akzeptanz verbessern und höhere Preise durchsetzen. Die Verbraucher bekämen bessere Produkte mit weniger Stresshormonen und Antibiotika. Eine Reduzierung des Fleischkonsums würde sowohl die menschliche Gesundheit als auch für die Umwelt erhebliche Vorteile bringen.

Diese Zusammenhänge sind seit Jahren bekannt, und Minister Meyer kommt nur seinem Amtseid nach, wenn er durch seine Reformen Schaden vom Volke abwenden will. Landvolk-Präsident Hilse und die Vertreter des Niedersächsischen Bauernverbandes würden ihrem Berufsstand am besten dienen, wenn sie ihre kurzsichtige Feindseligkeit gegen Reformen in eine kritische, aber konstruktive Mitarbeit umwandeln würden.

Johann E. P. Strauß,

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