Online: 29.10.2014 - ePaper: 29.10.2014

Der Begriff "Slawen"

Betrifft: Artikel "Fundstücke aus der Slawen-Zeit'' (EJZ vom 7. Oktober)

Der im frühmittelalterlichen Schrifttum gebrauchte Ausdruck "Sclavinia" hat mit dem erst im 19. Jahrhundert bei Schlözer und Herder aufgenommenen Begriff "Slawen" nichts zu tun. Der Schwabe Schlözer schrieb für Geld dem russischen Zaren die russische Geschichte auf, damit ihm alle "Sclavenis" gehören, obwohl dies in ganz Europa nur ein Begriff für Unfreie war ("Lewer tot as Slaw!"). Nirgends findet man die Heimat der Slawen, kein Geschichtsschreiber hat jemals Slawen erwähnt. Die Existenz der Slawen war "Gotteswort", als sie von der Kanzel gepredigt wurde!

Kant warnte vor diesen "wahnwitzigen Vorstellungen" des Theologen Herder, sogar Karl Marx lehnte diese Lehre ab. In Mönchslatein bedeutet der Begriff "Sclavi" = "Heiden". Nach dem Ratzeburger Zehntregister aus dem Jahre 1230 bedeutet "Sclavi sunt, nüllum beneficium est", dass die der kirchlichen Autorität noch nicht unterworfenen Ortschaften keinen "Zehnten" zu zahlen hatten.

Die Päpste nannten die glagolitische Schriftsprache (nach Wolff in "Ostgermanien Seite 183": Glagolita-Sprache) sclavina lingual oder sclavia lingua.

In Thietmar von Merseburgs Chronik 37; Vers. 1600, "Nosse wader ::: tia rik komma, tia willia schinoyot" ist eher der gotischen Sprache entlehnt, entstanden 825/830.

Der jüdische Khasare Hans Kohn verwendete 1956 den "Kunstbegriff Slawen" für alle heidnischen ostelbischen-ostsaalischen, germanischen und damit meist wandalischen, wie auch keltischen und illyrischen Frühdeutschen und alle unter die von der "Glagolica/Kyrilla" erfassten Völkerschaften. Wohlgemerkt: Der den Urkunden und der Geschichte widersprechende Begriff "Slawen" kam erst nach Schölzer, Herder und Bandtke auf (Hans Kohn, "Die Slawen und der Westen", S. 7).

↔Siegbert John, Gusborn

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