Online: 24.11.2014 - ePaper: 25.11.2014

Politische Vorbehalte

Betrifft: Kommentar "Konkurrenz des Gedenkens" von Karl-Friedrich Kassel (EJZ vom 15. November)

Herr Kassel wirft in seinem Kommentar den als Zeitzeugen geladenen Gästen auf der CDU-Veranstaltung zum 25. Jahrestag der Grenzöffnung in Lüchow-Dannenberg vor, sich so aufgeführt zu haben, als wären sie und nicht die Bevölkerung in den östlichen Nachbarlandkreisen die Hauptakteure dieses geschichtlichen Ereignisses gewesen. Dieser Eindruck ist das Ergebnis der dürftigen Berichterstattung der EJZ am 10. November 2014 über die vorgenannte Veranstaltung. In diesem EJZ-Bericht wurde mein Hinweis verschwiegen, dass die Grenzöffnung und die nachfolgende deutsche Einheit vorrangig dem Mut der DDR-Bevölkerung zum Protest und dem Verzicht Gorbatschows auf den Einsatz sowjetischer Truppen hiergegen zu verdanken ist. Den kommunalen Vertretern vor Ort blieb nach der Öffnung des Grenzüberganges Bergen/Salzwedel, über den vom 10. bis 12. November 1989 50000 Besucher kamen, nur die Möglichkeit, auf diese Ereignisse zu reagieren; etwa durch Gespräche, die Landrat Meiner und ich mit den politischen Vertretern der östlichen Nachbarkreise über neue Grenzübergänge führten. Das Ergebnis dieser Gespräche leiteten wir an unsere Regierungen weiter. Ich wandte mich schriftlich an Ministerpräsident Dr. Albrecht und schlug ihm Straßenübergänge bei Lübbow, Schmarsau, Bömenzien, den Wiederaufbau der Dömitzer Brücke sowie den Einsatz von Fähren über die Elbe bei Neu Darchau, Hitzacker, Gorleben, Pevestorf und Schnackenburg vor. Diese Übergänge wurden dann auch eingerichtet. Wenn Herr Kassel diese während der CDU-Veranstaltung gegebenen Hinweise als Mangel an Bescheidenheit kritisiert, dann lässt er erkennen, dass es ihm vorrangig um seine politischen Vorbehalte gegen die damals auf der Kreisebene Handelnden geht.

Klaus Poggendorf,

Oberkreisdirektor a. D.,

Dannenberg

^ Seitenanfang