Online: 24.11.2014 - ePaper: 25.11.2014

Nur ein Vorgeschmack

Betrifft: Artikel "Der Wasserpreis steigt" (EJZ vom 19. November)

Auch der Wasserverband Wendland bestätigt nun ausdrücklich: Eine zunehmende Düngung mit Hühnertrockenkot (HTK) belastet das Grundwasser stark und verteuert die Trinkwasserbereitung auch bei uns. Das kommt nicht überraschend.

Entsprechende Warnungen gibt es schon seit Jahren. Solange HTK aber ein billiger (weil subventionierter) Dünger ist, werden viele Landwirte ihn weiterhin gern und reichlich einsetzen und somit das Wasserproblem weiter verschärfen. Profit wiegt eben schwerer als die Verantwortung für das Gemeinwohl.

Der volkswirtschaftliche Schaden dieses Verhaltens ist aber weitaus größer, als die aktuelle Wasserpreiserhöhung erahnen lässt: Der Weg des überschüssigen (weil nicht gleich von den Pflanzen aufgenommenen) Nitrats bis in die tieferen Grundwasserschichten dauert Jahrzehnte. Zurzeit bekommen wir also erst einen leichten Vorgeschmack.

Das Gleiche gilt auch für andere Verunreinigungen, wobei die im HTK enthaltenen Antibiotika eine besonders schlimme Wirkung haben. Zum Beispiel verweist die EJZ vom 24. Oktober auf zahlreiche Infektionskrankheiten mit tödlichem Ausgang, die auf multiresistente Erreger zurückzuführen sind.

Dass mit HTK auch gefährliche Viren wie zum Beispiel Vogelgrippe verbreitet werden können, sei nur am Rande erwähnt. Ein Skandal ersten Ranges: Für die potenziellen Verursacher ist nicht einmal eine Haftpflichtversicherung vorgeschrieben!

Um Abhilfe zu schaffen, steht zweifellos der Gesetzgeber in der Pflicht. Ich werde aber auch nicht müde, immer wieder auf die Einwirkungsmöglichkeit eines jeden Verbrauchers hinzuweisen: Wir benötigen nicht 88 kg Fleisch pro Kopf im Jahr, wie im Statistischen Jahrbuch belegt. Ein Drittel (!) davon wäre aus medizinischer Sicht empfehlenswert.

Wer seinen hohen Fleischkonsum nicht ändern will, sollte das Wort Verantwortung aus seinem Sprachschatz streichen.

Johann E.P. Strauß,

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