Online: 28.11.2014 - ePaper: 29.11.2014

Der Kolbenfresser droht

Betrifft: Artikel "Entwarnung der Sparkassen" (EJZ vom 10. November)

Gemäß EJZ vom 10. November ist die Einführung von Negativzinsen für Tagesgeld im Gespräch. "Deutschland geht es gut." Dieser inzwischen oft karikierte Satz ist so etwas wie die Erkennungsmelodie von Angela Merkel. Komponiert hat die Bundeskanzlerin ihren Jingle für die jeweiligen Neujahrsansprachen 2012 und 2013. Zuletzt hat sie ihn in ihrer Regierungserklärung am 29. Januar 2014 angestimmt: "Deutschland geht es so gut wie lange nicht."

Deutschland ist Wachstumsmotor in Europa. Deutschland ist Stabilitätsanker in Europa. Um also ein realistisches Bild davon zu bekommen, müssen wir uns die körperliche Grundverfassung des Wettkampfteilnehmers anschauen, damit wir wissen, wie gut es Deutschland tatsächlich geht, und nicht seine aktuellen Zeiten oder Platzierungen. Tut man dies, dann stellt sich freilich heraus, dass der "Wachstumsmotor" nicht nur stottert, sondern kurz vor dem Kolbenfresser steht. Dass der "Stabilitätsanker" im Ozean der Finanzkrise auf Dauer nicht mal die MS-Deutschland sichern kann, geschweige denn andere havarierende Schiffe. Und dass die Besatzung den Euro-Ballast wohl oder übel über Bord werfen muss, wenn sie den Untergang verhindern will.

Wenn mich junge Leute fragen, wann wir endlich ohne Schulden sind, dann sage ich: Nie! Denn Schulden verschwinden nur nach einer Währungsreform. Stark vereinfacht könnte man also sagen: Deutschlands Bürger zahlen mit undichten Schuldächern, holprigen Hauptverkehrsstraßen, maroden Brücken die Schulden ihrer Bundesländer, und als Beitragszahler hübschen wir Herrn Schäuble den Bundeshaushalt auf. Als Sahnehäubchen stehen wir ganz oben auf dem Treppchen beim Export.

Wenn es nicht mal die Wirtschaftslokomotive Deutschland in Rekordjahren - trotz niedriger Zinsen - schafft, keine neuen Schulden aufzunehmen, um ihre Zinsen zu bezahlen, wie sollen das dann Griechenland, Portugal, Frankreich, Belgien, Spanien, Italien etc. schaffen? Wenn die Schuldenblase platzt, dann dürfen wir als Steuerzahler bluten!

Wohlstand auf Pump bleibt eine Illusion, Wachstum ohne Grenzen kann es nicht geben. Trotz geschönter Arbeitslosenzahlen.

↔Klaus Grothe, Schnega

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